12.01.2011

Islamische Welt: Erzürnt über "Christen-Offensive"

Am Freitag sind Demonstrationen gegen den Papst in Pakistan geplant.

Islamische Welt: Erzürnt über "Christen-Offensive"

Am Freitag sind Demonstrationen gegen den Papst in Pakistan geplant.

 

Nach der Kritik von Papst Benedikt XVI. an religiös motivierter Gewalt in Ägypten zieht Kairo seine Botschafterin aus dem Vatikan zurück.Kairo/Rom/Ag. Nicht nur müssen Christen in islamischen Ländern immer mehr um ihr Leben bangen, wie etwa die jüngsten blutigen Anschläge in Ägypten beweisen. Nun droht auch auf diplomatischer Ebene eine Zuspitzung: Nach der Kritik von Papst Benedikt XVI. an religiös motivierter Gewalt in Ägypten hat die Regierung in Kairo ihre Botschafterin aus dem Vatikan zurückgerufen.

Grund für die Verärgerung: Der Pontifex hatte bei seinem Neujahresempfang für das Diplomatische Corps den islamistischen Anschlag in der koptischen Kirche von Alexandria erneut beklagt. 21 Menschen waren in der Silvesternacht getötet, 80 verletzt worden. Mit Blick auch auf Attacken gegen irakische Christen hatte der Papst die Botschafter ermahnt: „Diese Folge von Angriffen ist ein Zeichen für die dringende Notwendigkeit, dass die Regierungen der Region, trotz der Schwierigkeiten und der Drohungen, wirksamere Maßnahmen zum Schutz der religiösen Minderheit ergreifen müssen.“

Für die ägyptische Regierung ist dies eine „nicht akzeptable Einmischung in innere Angelegenheiten“. Nicht zum ersten Mal beschwert sich Kairo über westliche Kritik an seiner Religionspolitik: Dass etwa koptische Exil-Ägypter in den USA von Diskriminierung in ihrem Heimatland sprechen, sei „frei erfunden“, behauptet die Regierung. Unter anderem werfen die Kopten – größte christliche Minderheit in Nahost – Kairo vor, restriktiv bei der Vergabe von Baubewilligungen von Kirchen vorzugehen.

Bereits in seiner Weihnachtsansprache hatte sich der Papst besorgt über die bedrohte Religionsfreiheit von Christen geäußert. Jetzt versuchte der Vatikan aber, die Wogen wieder zu glätten. „Wir wollen keine Eskalation“, beeilte sich „Außenminister“ Dominique Mamberti der ägyptischen Diplomatin noch kurz vor ihrer Abreise am Dienstag zu versichern.

(Die Presse)