15.01.2011

Deutschland/Ägypten: Trauermarsch der Koptisch-Orthodoxen Kirche am 15. Januar 2011 in Stuttgart

"Schützt die Christen in Ägypten! Warum hört keiner unser Leiden?"

Deutschland/Ägypten: Trauermarsch der Koptisch-Orthodoxen Kirche am 15. Januar 2011 in Stuttgart

"Schützt die Christen in Ägypten! Warum hört keiner unser Leiden?"

Christen trauern um Opfer des Anschlages auf koptische Glaubensbrüder bei
Trauermarsch der Koptisch-Orthodoxen Kirche St. Georg am 15. Januar 2011 in
Stuttgart



(MEDRUM) 22.01.2011 - Zum Gedenken an ihre ermordeten Glaubensbrüder
versammelten sich am vergangenen Samstag rund 400 Menschen auf dem
Kronprinzplatz in Stuttgart. Sie brachten ihre Bestürzung und tiefe Trauer
über den Anschlag auf koptische Christen zum Ausdruck, der am 1. Januar 2011
in Ägypten verübt wurde. Bei diesem Terroranschlag wurden 21 Menschen
getötet und mehr als hundert verletzt.



ImageSchmerz und tiefe Trauer bestimmten am vergangenen Samstag das Bild des
Trauer- und Gedenkmarsches, den die koptisch-orthodoxe Gemeinde St. Georg in
Stuttgart veranstaltete. Zusammen mit koptischen Gemeindemitgliedern beteten
sowohl Geistliche der syrisch-orthodoxen und der armenischen Kirche, sowie
evangelische und katholische Christen, Erwachsene, Jugendliche und Kinder.
Sie trugen Kreuze mit Trauerflor und Plakate mit sich: "Gleiche Rechte für
die Christen in Ägypten! Schützt die Christen in Ägypten! Warum hört keiner
unser Leiden?", lauteten ihre klagenden Hilferufe.



Sie kamen aus einem entsetzlichen Anlaß zusammen. Auf Kopten in Ägypten war
unmittelbar nach Ende eines Gottesdienstes zum koptischen Weihnachtsfest am
1. Januar ein Terroranschlag verübt worden, über den der TAGESSPIEGEL
schrieb: "Die weißen Fassaden des Gotteshauses sind mit Blut bespritzt, die
breiten Treppen vor dem Portal übersät mit abgerissenen Körperteilen und
Kleiderfetzen. Verletzte krümmen sich vor Schmerzen, Scherben, Trümmer und
verkohlte Autos überall – Szenen, wie sie die Ägypter bisher nur von
Fernsehbildern aus Bagdad kannten." Die Zeitung nannte es ein "Inferno nach
dem Schlusssegen."



Der den Opfern dieses Anschlag gedenkende Trauerzug in Stuttgart führte
durch die Innenstadt bis zum Marktplatz. Er wurde von Polizisten begleitet.
Bei der auf dem Marktplatz veranstalteten Kundgebung versicherten alle
Redner ihre tiefe Solidarität mit den vielen Menschen, die dem Anschlag zum
Opfer fielen. Eine Sprecherin erinnerte an die Regensburger Rede Papst
Benedikts zu Beginn seines Pontifikates, der die Frage zum Verhältnis von
Religion und Gewalt stellte. Sie betonte, Papst Benedikt sei der Erste
gewesen, der nach den Anschlägen an Weihnachten und Neujahr seine Stimme zum
Schutz bedrohter Christen erhoben hatte. Bemängelt wurde die zu passive
Haltung der Öffentlichkeit, die oft beschönige oder in Gleichgültigkeit
verharre. Auch politische Parteien wurden kritisiert: Zum Machterhalt und
aus wirtschaftlichen Interessen heraus, dürfe es keine Anpassung an
islamische regierte Länder geben. Dies sei ein Verrat an der Grundlage der
europäischen Geschichte und dem Fundament von Demokratie, Menschenrechte,
Meinungs- und Religionsfreiheit.



Der Trauermarsch endete am Rathausplatz. Eine Frau aus der Gemeinde sprach
dort ein Gebet für die Opfer und Täter: Die Menschen wollten den Tätern
verzeihen, so wie ihnen Jesus Christus es ihnen vorgelebt hat. Sie erklärte,
trotz allem Leid wollten die ägyptischen Christen nicht aufgeben, nicht ihr
Land verlassen. Mit den Worten „bitten wir Gott, dass er uns bald unseren
Schmerz heilt“ endete ihr Gebet.



Wie MEDRUM berichtete, widmete sich der Deutsche Bundestag im Dezember 2010
dem Thema Christenverfolgung, mit besonderem Blick auf die seit Jahren
anhaltende Verfolgung von Christen im Irak. In seiner Rede hob der
Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hervor, daß sich die
Fraktion der Unionsparteien für einen weltweiten Schutz des Rechtes auf
Ausübung der Religionsfreiheit als universellem Menschenrecht und konkrete
Taten für den Schutz der Menschen einsetzen wird.