17.01.2011
Deutschland: Geteiltes Echo auf Veranstaltungsreihe zum Islam
Kritik an voreiliger Taufe
Stuttgart (idea) – Ein unterschiedliches Echo hat eine Veranstaltungsreihe über den Islam der evangelischen Paulus-Kirchengemeinde in Stuttgart-Zuffenhausen im vorigen Jahr ausgelöst: Es gab Kritik bis hin zu Kirchenaustritten, aber auch Zustimmung und Interesse am Kircheneintritt von Muslimen.
Pfarrer Dieter Kümmel hatte mit dem Kirchengemeinderat und dem Verband Islamischer Kulturzentren zu 33 Veranstaltungen eingeladen, etwa zu Vorträgen „Maria im Islam“ oder „Humor im Islam“ sowie Kirchen- und Moscheeführungen. Aus Protest gegen Veranstaltungsreihe sei ein Ehepaar aus der Kirche ausgetreten, einige Muslime hätten im Gegenzug den Wunsch geäußert, Christen zu werden, teilte die zuständige Dekanin Wiebke Wähling idea auf Anfrage mit. Auch in Leserbriefen in der Lokalpresse und Blogs im Internet wurde scharfe Kritik laut. Die Autoren kritisierten vor allem, dass die Kirche in Zuffenhausen sich nicht um die eigene Glaubensbotschaft kümmere. Dagegen zogen Kümmel und Yavuz Kazanc vom Vorstand des Verbandes Islamischer Kulturzentren ein positives Fazit. „Es gibt keine Alternative, als aufeinander zuzugehen“, sagte Kümmel der Stuttgarter Zeitung. Vor 40 Jahren hätten noch 15.000 Protestanten in Zuffenhausen gelebt, heute seien es noch 5.300. Jedes Jahr verliere man bis zu 200 Mitglieder. Die Muslime im Ortskern des rund 35.000 Einwohner zählenden Stuttgarter Stadtteils stellten 40 Prozent der Bevölkerung. Kazanc begrüßte, dass durch die Begegnungen persönliche Bindungen zwischen Christen und Muslimen entstanden seien.
Kritik an voreiliger Taufe
Dekanin Wähling sagte, sie überrascht gewesen, dass einige wenige Muslime im Laufe der Reihe den Wunsch geäußert hätten, Christen zu werden. Sie hätten allerdings zugleich darum gebeten, nicht in Kirchenregistern gespeichert zu werden. Um wie viele Muslime es sich dabei genau handele, wollte sie aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Denn in ihrer türkischen Heimat müssten solche Konvertiten mit scharfen Diskriminierungen rechnen. Um die Ernsthaftigkeit des Wunsches zu prüfen, habe man den Interessenten geraten, an einem einjährigen Taufkurs teilzunehmen. Der erste Kurs stehe in diesen Tagen kurz vor der Start. Kritik übte Wähling in dem Zusammenhang an einer „voreiligen Taufe“, wie sie beispielsweise in einer großen Freikirche in Stuttgart üblich sei. Bis ein Muslim Christ werden könne, brauche es Zeit.