22.07.2011
Bhutan: Christliche Gemeinde wächst
Wo das Christentum noch in den Kinderschuhen steckt
Bhutan: Im buddhistischen Himalaja-Land wächst die christliche Gemeinde
Bhutan ist ein in Europa weitgehend unbekanntes Land im Himalaja mit nicht einmal einer Million Einwohnern. Der Buddhismus ist Staatsreligion. Die christliche Gemeinde ist klein, aber sie wächst. Über die Situation berichtet im Folgenden Pfarrer Traugott Farnbacher (Neuendettelsau). Er ist Referent für Papua-Neuguinea, Pazifik und Ostasien bei „Mission EineWelt“, dem Zentrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Im Himalaja-Staat Bhutan wächst die christliche Gemeinde. Obwohl das Christentum in diesem buddhistischen Land seitens der Regierung nur geduldet, nicht aber offiziell anerkannt wird, bekennen sich seit Anfang der neunziger Jahre immer mehr Menschen zum Christentum; derzeit sind es etwa 15.000. Pfarrer Wangchuck Lathru ist Vorsitzender des Nationalen Christenrats von Bhutan (NCCB). Dieser umfasst drei konfessionelle Strömungen: eine kleine katholische Gruppe, pfingstkirchliche Gruppierungen sowie neuerdings eine lutherische Kirche, die Lathru dieses Jahr gründete und leitet. In dem Land mit etwa 800.000 Einwohnern - für auswärtige Missionare verschlossen - gibt es noch kein Kirchengebäude; Christen versammeln sich in Privaträumen. Auch gibt es noch keine Übersetzung der Bibel außer zwei Evangelien und Teilen des 1. Buchs Mose, das Lathru in die Hauptsprache „Zangla“ übersetzt hat. Die Christen singen auswendig, weil sie kein Gesangbuch haben. Die theologische Ausbildung
verläuft in Form mobiler Kursprogramme; Lathru bildet sie sowie Evangelisten selber aus.
Durch Bibelstudium Christ geworden
Und wie wurde Lathru, der ehemalige buddhistische Mönch, Christ? Er verdankt diese Lebenswende dem Selbststudium der Bibel, als ihm bei der Lektüre des Christushymnus im Philipperbrief, Kapitel 2, klar wurde, dass die universale Herrschaft Jesu Christi auch die buddhistische Religion umfasst. Dafür nahm er auch Inhaftierung und Folter in Kauf. Lathru nahm jüngst im Centrum Mission EineWelt der bayerischen Landeskirche an der sogenannten Summer School teil – einer jährlichen Bildungsmaßnahme für Vertreter aus lutherischen und weiteren protestantischen Kirchen der Ökumene. Damit besuchte zum ersten Mal ein Vertreter der Christenheit Bhutans ein europäisches Land. Lathru stellte den NCCB und seine neu gegründete lutherische Kirche vor. Zuerst waren Schriften des Reformators Martin Luther (1483-1546) nach Bhutan gesandt worden. Daraufhin entschieden sich die Christen um Lathru, lutherisch zu werden. Sie verstehen Luther als Gründer des Protestantismus und teilen seine Grundeinsichten. Nun sucht Lathru eine kirchliche Partnerschaft. Durch Anschluss an die lutherische Gemeinschaft will die junge Christenheit Bhutans ihre Isolierung überwinden. Lathrus Sehnsucht ist, von einem Bischof im Raum des Lutherischen Weltbunds als Bischof installiert zu werden.