22.07.2011
Türkei: Christen benachteiligt
Kommen sich Orthodoxe und Muslime näher?
Chef der Religionsbehörde empfängt Ökumenischen Patriarchen.
Ankara (idea) – Vorsichtige Annäherung von orthodoxen Christen und Muslime in der Türkei: Der Vorsitzende der staatlichen Religionsbehörde Diyanet, Mehmet Görmez (Ankara), hat den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I. (Istanbul), empfangen.
Er ist Ehrenoberhaupt von rund 300 Millionen Orthodoxen weltweit. Diyanet ist auch die höchste islamische Autorität in der Türkei. Bei der Begegnung erklärte Görmez, man betrachte alle religiösen Gruppen als Bereicherung und als Teil der gemeinsamen Kultur. Die Freiheit der religiösen Gruppen sehe man als „unsere eigene Freiheit“ an. Der Patriarch sprach sich dafür aus, dass die Vertreter aller Religionen, die an einen Gott glauben, stärker in den Dialog treten und mehr zusammenarbeiten müssten. Bartholomäus: „Wir sind alle Mitglieder derselben Menschheitsfamilie und müssen uns gegenseitig mit Liebe und Verständnis begegnen.“
Christen benachteiligt
Etwa 95 Prozent der 71,5 Millionen Bürger der Türkei sind Muslime. Von den Christen sind etwa 65.000 armenisch-orthodox, 20.000 römisch-katholisch, 2.000 griechisch-orthodox und etwa 4.000 protestantisch, vor allem evangelikaler Prägung. Die Kirchen haben keinen eigenen Rechtsstatus. Das bringt unter anderem Probleme beim Bau und der Renovierung von Kirchen mit sich. Die Orthodoxen dürfen keine Priester im Land ausbilden. Evangelikale klagen über Bedrohungen und Benachteiligungen. Deutsche Politiker und Kirchenführer haben wiederholt uneingeschränkte Religionsfreiheit für die christliche Minderheit gefordert. Im Februar riefen der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg), und der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), gemeinsam die Bundesregierung auf, bei der türkischen Regierung vermehrte Anstrengungen anzumahnen, dass die Religionsfreiheit auch für Kirchen und Christen gewährleistet werde und die Grundlagen ihrer Existenz vom Staat nicht weiter zerstört würden.