26.07.2011
Nigeria: Christen fliehen aus Maiduguri
Anschläge von Boko Haram für Ende Juli erwartet - Gebetsfasten in bedrohlicher Situation
Nigeria: Christen fliehen aus Maiduguri
Anschläge von Boko Haram für Ende Juli erwartet - Gebetsfasten in bedrohlicher Situation
(Open Doors) - Aus Angst vor Anschlägen der radikal-islamischen Gruppe Boko Haram fliehen Christen in Scharen aus ihrer Heimatstadt Maiduguri im Nordosten von Nigeria. Viele Häuser und ganze Wohngegenden von Christen sind verwaist und Kirchen geschlossen, berichten Mitarbeiter von Open Doors aus der Region. Die nigerianische Regierung erwartet für Ende Juli mehrere Attentate durch die militante sektiererische Gruppe Boko Haram (zu Deutsch "moderne Erziehung ist Sünde". Durchgeführt werden sollen diese von mehr als 100 im Sudan und Somalia ausgebildeten Kämpfer. Open Doors ruft Christen in aller Welt dazu auf, für die nigerianischen Glaubensgeschwister zu beten. In dem westafrikanischen Land selbst begegnen viele Kirchen und Gebetsgruppen der äußerst angespannten und bedrohlichen Lage mit mehrwöchigen Gebetsfasten.
Geplant seien Anschläge im nordöstlichen Bundesstaat Borno mit der Hauptstadt Maiduguri sowie in den nördlichen Staaten Katsina, Kaduna, Yobe sowie in Suleja (Niger). Am 30. Juli jährt sich der Tod des Sektengründers und bis dato Anführers von Boko Haram, Scheich Mohammed Yusuf. Yusuf war vor zwei Jahren kurz nach seiner Festnahme durch Sicherheitskräfte in Haft aus unerklärlichen Gründen gestorben. Seitdem hatte die Gruppe im Land immer wieder Bombenanschläge auf Polizeistationen, Wahlbüros, Biergärten, Schulen und Kirchen verübt.
Die Sicherheitslage in Maiduguri, dem Hauptquartier von Boko Haram, ist äußerst angespannt. Die 1,2 Millionen Einwohnerstadt war der Wohnort von Sektengründer Yusuf. Allein in den vergangenen Wochen sind nach Medienberichten dort 40 Menschen getötet worden, darunter auch Christen: Anfang Juni wurden ein Pastor und ein Kirchenmitarbeiter erschossen. Ein Anschlag am 26. Juni auf eine Kirche konnte vereitelt werden. Bei zwei Bombenschlägen auf eine katholische Kirche starben zehn Menschen. Vier Gottesdienstbesucher starben am 16. Juni bei einem Anschlag auf eine Gemeinde in Damboa etwa 87 Kilometer von Maiduguri entfernt. Da Sprengstoffanschläge häufig von Motorrädern aus verübt werden, ist das Fahren von Zweirädern in der Stadt seit Anfang Juli verboten.
Kaum noch Christen in Maiduguri
Mehr als die Hälfte der Bewohner von Maiduguri soll die Gegend verlassen haben, sowohl einheimische als auch aus anderen Bundesstaaten zugewanderte. Ob sie zu-rückkehren, ist ungewiss. Viele Häuser von Christen seien verwaist, berichtete ein Open Doors-Mitarbeiter, ganze Gebiete, wo einst Christen lebten, erschienen wie "Geisterstädte". Früher gut besuchte Märkte seien wie "paralysiert" und Schulen geschlossen. Vor einigen Tagen platzierten Militante an einem Kreisverkehr im Stadtteil Bulunkutu eine Bombe. Der Sprengsatz ging hoch, als ein Auto mit Sicherheitskräften vorbei fuhr. Mehrere Männer wurden getötet, weitere verstümmelt. Führende Kirchenleiter wie Ayo Oritsejafor, Präsident des Dachverbandes der evangelischen Kirchen in Nigeria (CAN) beklagten gegenüber dem Informationsdienst Compass Direct, dass Boko Haram trotz Militärpräsenz ihre Angriffe fortführe. Art und Weise einiger Anschläge ließen vermuten, dass Sicherheitskräfte möglicherweise von Anhänger unterwandert wurden.
Kampf gegen Ungläubige
Erklärtes Ziel der Gruppe ist es, ganz Nigeria zu einem islamischen Gottesstaat zu machen und die Scharia in allen Bundesstaaten durchsetzen. Bislang gilt das islamische Recht in den zwölf nördlichen der 36 Bundesstaaten. Der bevölkerungsreichste Staat Afrikas mit 154 Millionen Einwohnern ist religiös geteilt: im Süden leben überwiegend Christen, im Norden Muslime. Die Gruppe richtet sich gegen jede westliche Bildung und nicht-islamischen Einfluss. Im Visier stehen alle "Ungläubigen", insbesondere Christen. Anhänger halten ihre Mitgliedschaft in der Boko Haram durchaus geheim, so dass beispielsweise Eltern oftmals nicht wissen, dass ihr Sohn zu Sekte gehört. Seit vorigem Juni soll Boko Haram mit dem Terrornetzwerk Al Kaida im Maghreb (AQIM) verbündet sein. Der nigerianischen Regierung mit ihrem christlichen Präsidenten Goodluck Jonathan hatte die Gruppe den Dschihad, den Heiligen Krieg, erklärt.