15.06.2011

Pakistan: Christ wegen angeblicher Blasphemie in Haft

Asia Bibi noch immer in Haft

Pakistan: Christ wegen angeblicher Blasphemie in Haft

Asia Bibi noch immer in Haft

(KELKHEIM, 15. Juni 2011) - Das Hilfswerk Open Doors bittet um Gebet für Christen, die in Gefängnissen leiden, weil sie der Blasphemie beschuldigt werden. In Sorge ist das überkonfessionelle Werk derzeit um einen psychisch kranken Christen in Pakistan, der seit Anfang Mai in Haft ist.

Dem 25-jährigen Babar Masih aus Chichawatni, einer Ortschaft in der Provinz Punjab, wird die "Verletzung religiöser Gefühle" zur Last gelegt. Nach Aussagen seines Bruders leidet Masih seit fast sieben Jahren an einer Geisteskrankheit, begleitet von spontanen Wutausbrüchen und ausfälligem Reden. Bei einem Anfall, so Khurram Shehzad Maan, Anwalt vom Büro des Europäischen Zentrums für Gesetz und Recht in Pakistan, habe Masih "die Sterne angeschrien". Radikale Muslime legten ihm dies als Beleidigung des Propheten Mohammed aus. "Der Polizei war von Anfang an bewusst, dass Babar Masih nicht zurechnungsfähig ist. Sie hätte Masih daraufhin in eine psychiatrische Klinik einweisen können, so der Anwalt. Die drei einzigen christlichen Familien in der Ortschaft, die auch mit Baba Masih verwandt sind, mussten zeitweise aus Angst vor Vergeltungsschlägen ihre Häuser fluchtartig verlassen und untertauchen. Inzwischen sind sie wieder in ihre Häuser zurück.

Kritiker auf Todesliste

Die Blasphemiegesetze sind in Pakistan verantwortlich für großes Leid unter Christen und anderer religiöser Minderheiten. Glaubens-diskussionen zwischen Muslimen und Christen endeten bereits für nicht wenige Christen im Gefängnis. In Pakistan, derzeit auf Platz 11 des Open Doors-Weltverfolgungsindex, steht auf Blasphemie die Todesstrafe. Gemeint ist hier die Beleidigung des Islam. Für weltweites Aufsehen sorgte die Verurteilung von Asia Noreen (auch Asia Bibi genannt) im November vorigen Jahres. Die Christin wurde aufgrund der Blasphemiegesetze zum Tode verurteilt. Sie soll in einem Streit mit anderen Frauen über Religion den islamischen Propheten Mohammed beleidigt haben. Die Mutter von fünf Kindern beteuert ihre Unschuld. Sie sitzt derzeit noch in Haft. Ihre Familie musste aus Angst vor Übergriffen untertauchen.

Zwei hochrangige Politiker mussten ihre öffentliche Kritik an den Gesetzen und ihr Eintreten für Asia Noreen bereits mit dem Leben bezahlen. Der pakistanische Minderheitenminister Shahbaz Bhatti hatte sich ebenso wie der Gouverneur der Provinz Punjab Salman Taseer für die Freilassung von Noreen und gegen die berüchtigten Blasphemiegesetze eingesetzt. Beide Männer wurden in diesem Jahr auf offener Straße ermordet. Auch Sherry Rahman, eine Abgeordnete aus Karachi, hat sich für eine Reform der Gesetze ausgesprochen und steht deshalb auf der Todesliste von Extremisten. Sie ist untergetaucht.