16.06.2011

Jordanien: Christen fürchten einen “Arabischen Winter”

Ein Gespräch mit André Stiefenhofer über die Situation der Christen in Jordanien aus "Kirche in Not"

Jordanien: Christen fürchten einen “Arabischen Winter”

Ein Gespräch mit André Stiefenhofer über die Situation der Christen in Jordanien aus "Kirche in Not"

Mitarbeiter von Kirche in Not, André Stiefenhofer, ist vor kurzem von einer dreiwöchigen Informationsreise in den Irak, nach Israel und Jordanien zurückgekehrt. Im Interview berichtet er, wie die Christen in Jordanien die aktuellen Entwicklungen in ihrer Region beurteilen. 

Herr Stiefenhofer, wie erleben die Christen in Jordanien die Umbrüche im Nahen Osten?

Die Christen im Nahen Osten stehen dem “Arabischen Frühling” generell eher skeptisch gegenüber. Immer wieder haben wir die Aussage gehört, dass die Revolutionen eher ein “Arabischer Winter” seien. Wie die Erfahrung aus Ägypten oder Libyen zeigt, neigen viele Menschen dazu, eher aus ihren Ländern auszuwandern zu wollen, als sich an der Umgestaltung ihrer Gesellschaften zu beteiligen.

So viel Vetternwirtschaft, Stillstand und Armut die bisherigen autoritären Systeme auch bedeutet haben – immerhin haben sie politische Stabilität und Sicherheit garantiert. Und Sicherheit ist für die Christen in Jordanien das Allerwichtigste, schließlich haben sie die katastrophale Entwicklung im Irak vor Augen, wo die Christen nach dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung zwischen alle Fronten geraten und Opfer blutiger Gewalt geworden sind.

In Jordanien werden die Christen als Minderheit vom Staat gut geschützt. Aber sie bezweifeln, dass sich durch eine eventuelle Revolution eine tatsächliche Demokratie durchsetzen wird. Die Menschen befürchten vielmehr, dass radikale Islamisten wie die Muslimbrüder an die Macht kommen könnten. Diese Bewegung hat auch in Jordanien zahlreiche Unterstützer und würde sofort davon profitieren, wenn dort das System ins Wanken geriete.

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