27.06.2011

Ägypten: Christen wollen ein Segen für ihr Land sein

Hilfe für notleidende Libyer sorgt für Anerkennung bei Muslimen

Wiesbaden: (idea) – Der Umbruch in Ägypten hat die Bereitschaft vieler dortiger Christen verstärkt, sich zu ihrem Glauben zu bekennen und diakonisch zu engagieren. Das berichteten Verantwortliche der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten (EMO) auf deren Jahresfest am 26. Juni in Wiesbaden. Der Leiter der EMO-Arbeit in Ägypten, Gerald Lauche, teilte vor den rund 300 Besuchern mit, dass eine evangelische Gemeinde in Kairo Hilfstransporte in das benachbarte Libyen organisiert habe, wo die Bevölkerung unter den Kämpfen zwischen den Truppen des Diktators Muammar al-Gaddafi und den Widerstandskämpfern leidet. Diese Aktion sei auch von der Muslimbruderschaft in Ägypten mit Anerkennung bedacht worden. Lauche zufolge können solche Hilfsmaßnahmen dazu beitragen, dass die kleine christliche Minderheit in Libyen künftig positiver wahrgenommen wird. Wie der Missionsleiter der EMO, Reinhold Strähler (Wiesbaden), gegenüber idea sagte, sei schon vor der Revolution in Ägypten das Bewusstsein unter Christen gewachsen, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Gemeinden fragten sich zunehmend „Wie können wir ein Segen für unsere Umgebung sein?“ Laut Strähler beurteilen manche Christen die politischen Veränderungen in Ägypten aber auch mit Zurückhaltung und Sorge. Grund dafür sei insbesondere das Erstarken der radikal-islamischen Salafisten. Derzeit könne man noch nicht sagen, wie sich das Land politisch weiterentwickeln werde. Die EMO hoffe, dass der Umbruch auch zu mehr Religionsfreiheit führe. Von den 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind 90 Prozent Muslime und etwa zehn Prozent Christen – meist Kopten.

Deutsche sollen wieder Urlaub in Ägypten machen

Strähler ermunterte deutsche Urlauber, wieder in das Land der Pyramiden zu reisen und Kontakte zu einheimischen Christen zu suchen. Ägypten brauche den Tourismus, damit es wirtschaftlich aufwärts gehe. Unter vielen Ägyptern sei inzwischen Ernüchterung eingekehrt, weil es ihnen schlechter gehe als vor der Revolution. Die EMO hat rund 40 deutsche, ägyptische und finnische Mitarbeiter. Die meisten von ihnen sind in Ägypten und im Sudan tätig – vorwiegend in der Gesundheitsversorgung und der theologischen Ausbildung.