19.03.2011

Deutschland: Salafisten belasten Mönchengladbach zunehmend

Engagiert sich die Kirche ausreichend gegen religiöse Extremisten?

Deutschland: Salafisten belasten Mönchengladbach zunehmend

Engagiert sich die Kirche ausreichend gegen religiöse Extremisten?

 

Mönchengladbach (idea) – Nach einer Protestkundgebung von Anhängern des muslimischen Salafismus in Mönchengladbach geklagt der Sprecher der Bürgerinitiative Mönchengladbach, Wilfried Schultz, eine fehlende Unterstützung der Kirchen. „Den Kirchen ist eine deutliche Äußerung nicht gelungen“, sagte Schultz gegenüber idea. Manchen Pfarrern falle es schwer, einen unter dem Deckmantel der Religion auftretenden Extremismus auch als solchen zu benennen. Er wünsche sich eine geschlossenere Allianz der demokratischen und liberalen Kräfte in Mönchengladbach gegen diese religiöse Gruppierung, die mit Gewaltbegriffen spiele. Etwa 250 Salafisten waren am 13. März durch Mönchengladbach zum Redaktionsgebäude der Rheinischen Post gezogen und hatten dort Parolen wie „Stoppt die Hetzer der Rheinischen Post“ skandiert. Die Zeitung hatte mehrfach kritisch über den radikal-islamischen Verein „Einladung zum Paradies“ berichtet. Dieser Verein ist der salafistischen Richtung des Islam zuzurechnen und will in Mönchengladbach eine Islamschule errichten. Dass sich die Bewegung über die ganze Stadt ausbreite, belaste die Bürger zunehmend, sagte Schultz.

Kirche geht andere Wege des Protestes

Die Grundanliegen der Bürgerinitiative – das Engagement gegen eine salafistische Islamschule und radikales Gedankengut – teilten auch die Kirchen, sagte der evangelische Pfarrer Dirk Sasse (Mönchengladbach) gegenüber idea. Es gebe in der Bürgerinitiative jedoch auch Äußerungen, in denen nicht zwischen diesem Gedankengut und den Menschen unterschieden werde. Aufgabe der Kirche sei vor allem die praktische Arbeit vor Ort, insbesondere mit Jugendlichen. Außerdem pflegten die Kirchen den Dialog mit den Moscheegemeinden der Stadt, die den salafistischen Aktivitäten teilweise ebenfalls kritisch gegenüberstünden. Der Dialog mit den Salafisten sei gescheitert, ein Verbotsantrag etwa sei aber Aufgabe des Staates und nicht der Kirchen. Vom Anliegen der Bürgerinitiative sei die Kirche nicht weit entfernt, sie gehe aber „andere Wege des Protestes“, sagte Sasse.