01.05.2011
Österreich/Türkei:"Ismophobie widerspricht dem Geist Europas"
Türkischer Präsident: Gül: Furcht vor Ausbreitung eines politischen Islam ist unbegründet
Österreich/Türkei:"Ismophobie widerspricht dem Geist Europas"
Türkischer Präsident: Gül: Furcht vor Ausbreitung eines politischen Islam ist unbegründet
Wien/Ankara (idea) – Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit widersprechen dem „Geist Europas“. Diese Ansicht äußerte der türkische Präsident Abdullah Gül in einem Interview mit dem österreichischen Online-Dienst „Die Presse“ (Wien). Anlass ist ein am 2. Mai beginnender dreitägiger Staatsbesuch Güls in Österreich. Wie der türkische Präsident erklärte, sei Europa die Heimat der Menschenrechte – „eine Region, in der wir den Respekt gegenüber Andersdenkenden und anderen Kulturen voraussetzen müssen“. Die Diskriminierung anderer sei eine „krankhafte Einstellung“. Furcht vor einem sich in Europa ausbreitenden politischen Islam nannte Gül unbegründet: „Die Muslime, die in Europa leben, wissen doch über die nötigen Standards hinsichtlich Demokratie und Menschenrechten Bescheid.“ Sicherlich könne es im Islam auch extremistische Positionen geben – „genauso wie im Christentum oder im Judentum“. Diese dürften aber nicht als Ausrede für Islamophobie gelten. Die Islamfeindlichkeit sei eine gefährliche Entwicklung, so Gül. Auch der Antisemitismus habe seinerzeit klein angefangen. Von türkischen Migranten erwartet er, dass sie die Sprache des Landes, in dem sie lebten, lernen: „Das ist auch für sie wichtig – für ein glückliches Leben in diesem Land.“ Mit Blick auf einen möglichen Beitritt seines Landes zur Europäischen Union erklärte der türkische Staatspräsident, ihm sei klar, dass Beitrittsverhandlungen nicht automatisch einen Mitgliedschaft der Türkei bedeuteten. Nach einer Bewertung durch die EU könnten in verschiedenen EU-Mitgliedsländern auch noch Volksentscheide zum Tragen kommen. „Und diese Referenden würden wir akzeptieren“, so Gül. Über 95 Prozent der 72 Millionen Einwohner der Türkei sind Muslime. Von den rund 120.000 Christen gehören etwa 4.000 zu evangelikalen Gemeinden.