02.05.2011

Türkei: "Christen in Türkei nicht diskriminiert "

Wien/Österreich, 30.04.11 (Kathpress)    Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hat Kritik an einer Diskriminierung von Christen in der Türkei zurückgewiesen. "Die Kirchen sind in der Lage, Gottesdienste abzuhalten. Es gibt in dieser Hinsicht keine Probleme", sagte der Präsident in einem aktuellen Interview mit österreichischen Tageszeitung "Der Standard". Es habe zwar in der Vergangenheit "einige Vorfälle" gegeben, bei denen "gegen Priester vorgegangen" worden sei, so Gül. In der Türkei gebe es dafür allerdings "keinerlei Sympathie" und die Täter seien auch vor Gericht gestellt worden, betonte der türkische Präsident, der sich in der kommenden Woche zu einem Staatsbesuch in Österreich aufhalten wird.

Auf "besorgniserregende Entwicklungen in ganz Europa" im Zusammenhang mit Fremdenfeindlichkeit, Extremismus und Islamophobie wies der Präsident in einem weiteren Interview mit der Zeitung "Die Presse" hin. "Das widerspricht dem Geist Europas", denn Europa sei "die Heimat der Menschenrechte", erklärte er. Hinsichtlich eines sogenannten "politischen Islam" sagte Gül, Muslime, die in Europa leben, wüssten über Standards von Demokratie und Menschenrechten Bescheid. Extremistische Positionen könne es in allen Religionen geben, sie dürfen nicht als "Ausrede für Islamophobie" dienen.

Auf die EU-Beitrittsverhandlungen angesprochen erklärte der Präsident in einem Interview mit der Tageszeitung "Kurier", die Hürden, die man gegen die Türkei aufbaue, seien "nicht berechtigt" und "ungerecht". "Betrachtet man es von der religiösen Perspektive, dann ist die EU ein christlicher Klub", so Gül. Dabei spreche man aber von einer "europäischen Wertegemeinschaft", in der Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, gemeinsame Standards und freie Marktwirtschaft als Kriterien ausschlaggebend sein sollten.

"Lernt Deutsch, aber auch Türkisch"

Österreich müsse die Bedingungen für die Integration von Türken verbessern, betonte Gül zudem gegenüber dem "Kurier". "Gerade in Österreich, wo der Islam als Religion in der Verfassung anerkannt ist, müsste das schneller gehen." In allen Zeitungsinterviews appellierte Gül gleichzeitig an seine Landsleute in Österreich, sowohl Deutsch als auch Türkisch zu erlernen, denn für sie gebe es "zwei Muttersprachen".

Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, Wien/Österreich

Recherche & Zusammenstellung: CBS KULTUR INFO, Basel/Schweiz