02.05.2011

Türkei/Österreich: Gül würdigt Istanbuler Georgskolleg

Gemeinsame Pressekonferenz mit Bundespräsident Heinz Fischer in Wien - Gül: Österreich und Türkei seit 600 Jahren eng verbunden

Türkei/Österreich: Gül würdigt Istanbuler Georgskolleg

Gemeinsame Pressekonferenz mit Bundespräsident Heinz Fischer in Wien - Gül: Österreich und Türkei seit 600 Jahren eng verbunden

 

Wien/Österreich, 02.05.2011 (Kathpress)    Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hat in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundespräsident Heinz Fischer am 2. Mai in Wien das vom Lazaristenorden getragene Istanbuler St. Georgs-Kolleg gewürdigt. Dieses Gymnasium sei lange Jahre Österreichs einzige Auslandsschule gewesen, so Gül zum Auftakt seines Staatsbesuchs, der ihn auch nach Salzburg führen wird, in der Wiener Hofburg.

Das Istanbuler St. Georgs-Kolleg unter der Trägerschaft der Lazaristen ist von seiner juristischen Konstruktion her ein Unikat. Die renommierte Schule kann sich auf ihr Bestehen seit der Osmanen-Zeit (vor 1914) berufen. Die Schule befindet sich in Treuhandschaft österreichischer adeliger Familien.

Gül wies darauf hin, dass Österreich und die Türkei seit 600 Jahren viel verbinde. So sei der erste Botschafter, den das Osmanische Reich entsandt habe, für Wien ernannt worden. Diese Ernennung sei bereits im 15. Jahrhundert erfolgt.

Der Besucher aus Ankara appellierte zu einer Lockerung der Visabestimmungen. Während in der EU mit anderen Ländern wie der Ukraine Gespräche über Visa-Erleichterungen gestartet würden, sei dies mit der Türkei nicht der Fall.

Der türkische Präsident, der einen Gegenbesuch zur Visite Fischers im Mai 2008 absolviert, warb erneut für einen EU-Beitritt seines Landes. Mit einer Aufnahme der Türkei in die EU würde sich für die Union "der Kuchen weiter vergrößern". Es wäre für beide Seiten eine "Win-Win-Situation". Auch österreichische Unternehmen würden davon profitieren, in Österreich würden neue Arbeitsplätze entstehen. Gül erinnerte an das starke Wirtschaftswachstum seines Landes und dass die Türkei in Bezug auf das Budget-Defizit die Maastricht-Bedingen erfülle.

Zur Situation der in Österreich lebenden Menschen mit türkischen Wurzeln sagte Gül, es wohnten hier zahlreiche erfolgreiche Wissenschafter, Sportler und Unternehmer. Bei den bestehenden Problemen müsse man gemeinsam daran arbeiten, um diese zu lösen.

Sehr wichtig sei, die Sprache des Landes zu lernen und damit eine "Doppelmuttersprache" zu haben. Die Türken, die bereits in der dritten oder vierten Generation hier lebten, sollten zwei Länder als ihre Heimat betrachten. Sie könnten somit eine "Brückenfunktion" erfüllen. Gleichzeitig gelte es, Respekt vor Menschenrechten und in Österreich geltenden Regelungen zu zeigen.

Fischer meinte zu den EU-Ambitionen der Türkei, es handle sich um "schwierige Verhandlungen", auch für die türkische Seite. Allerdings seien diese Verhandlungen von der EU einstimmig beschlossen worden, sie müssten offen und fair geführt werden. Eine Endentscheidung könne man jedoch nicht vorwegnehmen. Zur Vier-Parteien-Einigung im Nationalrat, eine verpflichtende Volksabstimmung vor einem Türkei-Beitritt durchzuführen sagte Fischer, aufgrund der Verfassungsbestimmungen sei dies einzuhalten.

Der Bundespräsident äußerte sich bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Gül auch zum gewaltsamen Tod Osama Bin Ladens. "Faktum ist: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen", zitiere Fischer aus dem Matthäusevangelium. Ein Terrorist müsse letztlich damit rechnen, dass man sich erfolgreich gegen ihn zur Wehr setze, so Fischer.

Gül hatte bereits vor seinem Abflug nach Wien am 2. Mai den Tod des Terrorchefs begrüßt. Er forderte, dass alle Terrororganisationen gleich bekämpft werden müssten, in offenbarer Anspielung auf die in der Türkei tätige Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Quelle: Katholische Nachrichtenagentur Kathpress, Wien/Österreich