02.05.2011
Zentralasien: Trotz Religionsfreiheit Druck auf Christen
Missionsbund „Licht im Osten“ berichtet von drastischen Sanktionen
Zentralasien: Trotz Religionsfreiheit Druck auf Christen
Missionsbund „Licht im Osten“ berichtet von drastischen Sanktionen
Korntal (idea) – Trotz offiziell garantierter Religionsfreiheit haben es Christen in vielen zentralasiatischen Ländern schwer, ihren Glauben auszuleben. Das berichteten Referenten beim Jahresfest des Missionsbundes „Licht im Osten“, das am 30. April und 1. Mai in Korntal bei Stuttgart stattfand. Insbesondere Bemühungen um Verbreitung des christlichen Glaubens seien untersagt und würden teilweise mit drastischen Sanktionen geahndet, sagte Missionsleiter Pfarrer Johannes Lange gegenüber idea. Am schlimmsten sei die Situation in Usbekistan und Turkmenistan, wo christliche Gemeinden schikaniert und aufgelöst würden. Gemeindeleiter würden verhaftet, christliche Literatur beschlagnahmt und öffentliche Versammlungen unterbunden. Als besonders schweres Vergehen werde der Versuch angesehen, Muslime zum christlichen Glauben einzuladen. Gemeinden, in denen ehemalige Muslime Mitglieder sind, verlören ihre Registrierung. Als Grund nannte Lange die Furcht der Machthaber, dass religiöse Aktivitäten Unruhen auslösen könnten. Ihre Maßnahmen richteten sich vor allem gegen radikale islamische Gruppen, seien aber am leichtesten gegenüber den christlichen Minderheiten durchzusetzen.
Keine Zeit für religiöse Angelegenheiten
Auch in Kasachstan und Kirgistan stießen Christen teilweise auf heftigen Widerstand. Allerdings könnten Christen in Kasachstan im Allgemeinen ihren Glauben praktizieren, solange sie nicht offensive Missionsarbeit unter Muslimen betrieben. Die kasachische Partnerorganisation von „Licht im Osten“ gebe beispielsweise eigene Zeitschriften heraus. Radio- und Fernsehsendungen seien ebenso möglich wie öffentliche Versammlungen. In Kirgistan hätten die Christen eine relative Freiheit, weil die Politiker keine Zeit fänden, sich um religiöse Angelegenheiten zu kümmern. Ihr Interesse gelte vor allem der Verteilung der Macht und der persönlichen Bereicherung. Korruption sei weit verbreitet. Nach dem Ende des Bürgerkriegs zwischen Kirgisen und Usbeken im vergangenen Juni, bei dem über 2.000 Menschen ums Leben kamen, beteiligten sich Christen am Wiederaufbau der zerstörten Häuser, schickten Lebensmittel und spendeten Saatgut. Dies habe dem Ansehen von Christen gut getan, so Lange.
Verzerrtes Jesus-Bild bei Muslimen korrigieren
Die Moskauer Straßenevangelistin Schirinaj Dossowa rief dazu auf, verstärkt unter Muslimen zu missionieren. Sie hätten ein Recht darauf, dass ihr im Koran verzerrtes Bild von Jesus Christus korrigiert werde. Allerdings scheuten sich viele Christen, auf Muslime zuzugehen, weil sie nicht wüssten, dass der Koran viele Anknüpfungspunkte für Gespräche über den christlichen Glauben enthalte. Kritik übte die Missionarin an den Vereinten Nationen, die in Rumänien Lager für usbekische Flüchtlinge betreuen. Die Verantwortlichen verlangten, dass den Menschen Koranausgaben anstatt Bibeln gegeben werden. „Es ist unbegreiflich, dass bei einer von abendländisch-christlichen Ländern gegründeten Organisation an Menschen, die in ein christliches Land geflohen sind, aus lauter politischer Korrektheit keine Bibeln verteilt werden dürfen. Dabei hätten diese großes Interesse“, sagte Frau Dossowa.
Kinderzeitschrift „Tropinka“ in acht Sprachen
„Licht im Osten“ wurde 1920 in Wernigerode am Harz gegründet, um unter russischen Kriegsgefangenen und den Völkern der Sowjetunion die biblische Botschaft auszubreiten. Später zog das Werk nach Korntal bei Stuttgart um und weitete seine Arbeit auf den gesamten Ostblock aus. In den 70er und 80er schmuggelten Mitarbeiter Tausende von Bibeln durch den Eisernen Vorhang. Der Missionsbund hat heute neun Partnerorganisationen in Osteuropa und Zentralasien und unterstützt dort etwa 100 einheimische Missionare und Mitarbeiter. Er stellt ihnen Bibeln, theologische Literatur, Lebensbeschreibungen und Zeitschriften in über 30 Sprachen zur Verfügung. Bestseller ist das russischsprachige Zwei-Monats-Magazin „Glaube und Leben“ mit einer Auflage von 90.000 Exemplaren sowie die Kinderzeitschrift „Tropinka“, die in acht Sprachen erscheint und mehr als 1,5 Millionen Leser erreicht. Außerdem fördert der Missionsbund soziale Projekte, darunter ein Alphabetisierungsprogramm für bulgarische Roma, ein Flüchtlingslager im Kaukasus und die Betreuung von aidskranken Kindern in St. Petersburg. Vorsitzender ist der württembergische Pfarrer Martin Hirschmüller (Ostfildern bei Stuttgart).