03.05.2011
Pakistan/Philippinen: Bischöfe fürchten Vergeltungsmaßnahmen
Christen in Pakistan und auf den Philippinen in Gefahr wegen des Todes von Bin Laden
Pakistan/Philippinen: Bischöfe fürchten Vergeltungsmaßnahmen
Christen in Pakistan und auf den Philippinen in Gefahr wegen des Todes von Bin Laden
Pakistan/Philippinen: Bischöfe fürchten Vergeltungsmaßnahmen LAHORE, Dienstag, 3. Mai 2011 (ZENIT.org).- Pakistanische und philippinische Christen könnten nach dem Tod von Osama Bin Laden, dem Drahtzieher der Anschläge auf die Twin Towers in New York am 11. September 2001, Zielscheibe neuer Vergeltungsmaßnahmen werden. Dies äußerten der emeritierte Erzbischof Lawrence Saldanha von Lahore sowie der Bischof von Isabela von den Philippinen gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur UCA News.
„Da sie die Vereinigten Staaten nicht angreifen können, sind wir ein leichtes Ziel für sie. Wir fordern die Regierungen auf, für unsere Sicherheit zu sorgen, damit keine Racheakte gegen uns unternommen werden. Dennoch könnte der Tod von Bin Laden das durch den Krieg zerstörte Gleichgewicht in der Gesellschaft Pakistans wieder herstellen, trotz der Gefahr von kurzfristigen Repressalien gegen Christen“, so Erzbischof Saldanha.
Der Bischof äußerte die Hoffnung, dass der Tod des weltweit meistgesuchten Terroristen den militanten Radikalismus der letzten Jahre in Pakistan verringert. „Zumindest hoffen wir, dass sich die Dinge allmählich verbessern werden“, sagte er.
„Viele betrachteten Bin Laden als Held der islamischen Revolution. Er war jedoch ein Modell des Extremismus und eine Bedrohung für den Weltfrieden. Sein Tod wird das Profil des Extremismus verändern, er wird ihn dezentralisieren und entmystifizieren“, sagte der Erzbischof.
Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten hatten Osama Bin Laden, den Gründer der Al-Qaida, in Abbottabad, einer Stadt in der nördlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa, nach einem kurzen Feuergefecht getötet. US-Präsident Barak Obama sagte, dass Kräfte der Geheimdienste an Hinweisen gearbeitet hatten, die sie Anfang August bekommen hatten, und in Zusammenarbeit mit den pakistanischen Sicherheitskräften fungierten.
Erzbischof Saldahna wurde am 24. April 2001 zum Erzbischof von Lahore ernannt und erhielt just am 11. September, am Tag der Anschläge, die Bischofsweihe. „Die Ereignisse, die den Anschlägen vom 11. September folgten, beeinflussten meine ganze bischöfliche Laufbahn und mein Leben“, sagte der Erzbischof und fügte hinzu, dass diese Ereignisse große Auswirkungen auf die Christen in diesem Land hatten. Sie wurden Opfer von Gewaltakten und manchmal sogar massakriert. Man konnte zusehen, wie die Gewalt jeden Tag zunahm.
Unterdessen bat ein anderes Kirchenoberhaupt in Indien, dass der Tod des Al Qaida-Anführers nicht zu Vergeltungsmaßnahmen führen möge. P. Babu Joseph, Sprecher der Bischofskonferenz von Indien, bedauerte den gewaltsamen Tod von Bin Laden. „Er hätte sich bekehren, den Weg der Gewalt und des Terrorismus verlassen und ein neues Leben der Versöhnung und des Friedens beginnen können“, sagte der Priester der Steyler Missionare zu UCA News.
„Die Kirche wird Gewalt nie unterstützen oder sich gar Gewaltakten anschließen. Aus religiösen Gründen verübte Gewalt kann in einer zivilisierten Gesellschaft nie akzeptiert werden“, fügte der Steyler Pater hinzu. Einige indische Muslime reagierten auf den Tod von Bin Laden, indem sie der USA die Schuld für die Radikalisierung des getöteten Terroristen durch die US-Truppen zuschoben.
Für den philippinischen Bischof von Isabela Martin Jumoad hingegen bedeutete der Tod Bin Ladens den „Sieg des Guten über das Böse“. Seine Prälatur liegt in der Provinz Basilan, wo die durch die Al Qaida inspirierten militanten Islamisten aus Abu Sayyaf ihr Trainingslager hatten, welche häufig auch die christlichen Gemeinden in dieser Zone angriffen.
Monsignore Jumoad hofft, dass der Tod von Bin Laden die Abu Sayyaf-Gruppe in Basilan schwächt, da nach der Aussage ihrer Führer die Truppe durch die Jemaah Islamiyah (islamische Gemeinde, in der UN-Liste aufgeführte Terrororganisation) von der Al -Qaida unterstützt werde.
Bischof Jumoad schloss mit der Bitte um unablässiges Gebet für den Frieden: „Ich hoffe, dass die hier agierenden Banden von Bin Laden sich verringern, und dass endlich Frieden und Sicherheit in Basilan einkehren möge“. Er räumte jedoch die Befürchtung ein, dass durch die Verbreitung der Nachricht vom Tod Bin Ladens möglicherweise weitere Vergeltungsschläge gegen die Christen erfolgen könnten.
[Übersetzung aus dem Spanischen von Susanne Czupy]