10.05.2011

Ägypten:„Die Lage der Christen ist ernst, aber nicht hoffnungslos“

Koptisch-katholischer Patriarch in „Kirche in Not“.

Ägypten:„Die Lage der Christen ist ernst, aber nicht hoffnungslos“

Koptisch-katholischer Patriarch in „Kirche in Not“.

 

Königstein/Wien, 10.05.2011 Angesichts der gewaltsamen Übergriffe auf christliche Kirchen in Kairo am vergangenen Wochenende spricht der koptisch-katholische Patriarch von Alexandria, Antonios Kardinal Naguib, von einer „sehr ernsten Situation“. Es gebe jedoch inzwischen auch Zeichen, die Hoffnung machen, erklärte er gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Am vergangenen Sonntag (9.Mai) habe der Präsident der sunnitischen Al Azhar-Universität mit Vertretern aller Kirchen eine gemeinsame Erklärung abgefasst, die der Militärregierung übermittelt werden soll. Darin würden ernsthafte Maßnahmen gefordert, um gewaltbereiten Gruppierungen in aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Das Oberhaupt der koptisch-katholischen Kirche drückte die Hoffnung aus, dies werde „dem Wohle des Landes dienen“. Die Militärregierung des Landes nimmt seiner Ansicht nach das Problem der extremistischen Gewalt mittlerweile ernst. Zum ersten Mal sei es nach derartigen Angriffen auch zu Verhaftungen gekommen.

Zu Beginn der Revolution vom 25. Januar diesen Jahres habe es zwischen Christen und Muslimen keine Differenzen gegeben, sondern sie seien sich „in ihren Zielen und Forderungen einig gewesen“, unterstrich Naguib. Bereits zwei Wochen später hätten jedoch Extremisten angefangen, dominieren zu wollen, und es sei zu Akten der Gewalt gegenüber Christen gekommen. Die Gewaltbereitschaft nehme bei jedem Übergriff zu. Die Wurzel derartiger Übergriffe liege darin, dass extremistische Salafiten „Banditen von der Straße“ dazu bringen würden, sich ihnen anzuschließen und sie zu unterstützen.

Am vergangenen Wochenende waren bei Angriffen auf koptische Kirchen in Kairo zwölf Menschen getötet und 200 verletzt, drei Gotteshäuser niedergebrannt, vierzehn Häuser zerstört und zahlreiche Geschäfte ausgeplündert worden.

„Kirche in Not“ ruft die katholischen Gläubigen in aller Welt dazu auf, für die Christen in Ägypten zu beten.