11.05.2011

Ägypten: Hass, Frust und Hoffnung

AKREF/un „Die Ägyptischen Christen fühlen sich vom Militär nicht ausreichend geschützt. Und viele ihrer Landsleute werten die Angriffe auf die Kirchen als Angriffe auf die Revolution.“ So schreibt KARIM EL-GAWHARY in einem Kommentar auf Taz.de Und weiter heißt es:

„Eine Autofahrt nach Imbaba ist eine Reise ins Elend. In solchen Gegenden wohnen jene 40 Prozent der Ägypter, die mit wenig mehr als einem Euro am Tag auskommen müssen. Viele Jugendliche sind ohne Arbeit, die Straßen sind voll mit Kindern, die niemals eine Schule von innen gesehen haben. Hier ist der Nährboden für religiösen Hass besonders fruchtbar.“

Die meisten der radikalen Islamisten, die Salafisten, die die Kirche angegriffen haben, seien nicht aus dem Viertel gewesen, beobachtete ein Augenzeuge. Allerdings hätten muslimische Jugendliche viel Zulauf  erhalten. Als die Kirche angegriffen wurde, sei sogar Jubel von den Balkonen zu hören gewesen.

"Ägypten brennt. Das Land lebt immer noch im alten Modus, wo die Mehrheit schweigt und eine laute Elite isoliert ist. Nun versuchen radikale religiöse Bewegungen die Revolution zu kidnappen", kommentiert die Tageszeitung al-Masry al-Youm. Und in einem Leitartikel der staatlichen al-Ahram  heißt es: "Ägypter und der Rest der Welt haben gestaunt, wie Christen und Muslime auf dem Tahrirplatz zusammengearbeitet haben. Diejenigen, die Kirchen angreifen, verraten nicht nur ihren eigenen Glauben, sondern auch die Revolution.“

Über 200 Personen wurden seit den Ausschreitungen festgenommen. Darunter zwei Männer, die das Innenministerium verdächtigt, vornehmlich für die Gewalt vom Wochenende verantwortlich gewesen zu sein: den muslimischen Ehemann, der die Salafisten geholt haben soll, und einen christlichen Kaffeehausbesitzer, der angeblich als Erster scharf geschossen haben soll.

Quelle: Taz.de