20.05.2011
Ägypten:Kauder: Ägypten braucht Religionsfreiheit
Kairo (idea) – Bei politischen Gesprächen in Kairo will sich der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, dafür einsetzen, dass die Religionsfreiheit in der neuen ägyptischen Verfassung verankert wird.
Er macht sich am 20. und 21. Mai ein Bild vom Stand der Demokratisierung und informiert sich über die Lage der christlichen Minderheit: „Ich möchte dazu beitragen, dass sich die Auseinandersetzungen zwischen Kopten und Muslimen wieder beruhigen.“ Er hoffe, dass in einem demokratischen Ägypten die religiösen Konflikte verschwinden könnten. Im Februar hatten koptische Christen und Muslime gemeinsam auf dem Kairoer Tahrir-Platz für eine friedliche Umwälzung des Regimes von Hosni Mubarak demonstriert. Doch Anfang Mai war es in einem Kairoer Arbeiterviertel erneut zu Ausschreitungen gekommen, die zwölf Todesopfer forderten. Kauder spricht bei seinem Ägypten-Besuch unter anderem mit dem Tourismusminister der Übergangsregierung, General Mounir Fakhry Abdel Nour – dem einzigen Kopten im Kabinett – und dem koptisch-katholischen Patriarchen von Alexandria, Kardinal Antonius Naguib. Der CDU-Politiker trifft auch mit George Ishak, einem Vertreter der Demokratiebewegung, sowie mit Hazem Farouk von der Muslimbruderschaft zusammen.
Muslimbruderschaft: Christ wird stellvertretender Parteivorsitzender
Deren politischer Zweig, die Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, hat unterdessen den koptischen Intellektuellen Rafiq Habib als Vizepräsidenten nominiert. Generalsekretär Mohammed Saad el-Katatni erklärte: „Die Partei ist offen für alle Ägypter, sowohl für Muslime wie für Kopten.“ Man trete für einen Staat ein, in dem der Islam zwar Staatsreligion sei, aber auch die Rechte und Freiheiten koptischer Christen garantiert würden. Gegenwärtig habe die Partei annähernd 9.000 Mitglieder; davon seien 93 Kopten. Zwischen Muslimen, die etwa 87 Prozent der rund 83 Millionen Ägypter stellen, und der christlichen Minderheit (etwa zehn Prozent) bestehen seit langem Spannungen, die immer wieder zu Gewalttaten führen. Die Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten. Ihre Ursprünge reichen bis in die Anfangszeit des Christentums zurück. Daneben gibt es kleinere Gruppen von Katholiken und Protestanten.