24.05.2011
Ägypten: Kein Christenmord am Nil !
Flugblatt
Mit dem Sturz des ägyptischen Staatspräsidenten Mubarak im Februar 2011 ging eine fast sechzigjährige Ära der Polizei- und Militärdiktatur zu Ende. Die Christen im Lande hatten unter Verfolgung und Diskriminierung gelitten. Deshalb feierten sie gemeinsam mit den Muslimen dieses Ereignis. An den tagelangen Demonstrationen, die zum Sturz des Diktators führten, hatten sich Kopten aktiv beteiligt, waren zum Teil schwer verletzt oder getötet worden. Es waren die Demonstrationen Tausender von Kopten nach dem blutigen Anschlag auf eine Kirche in Alexandria, die diese Revolution eingeleitet hatten. In allen größeren Städten Ägypten gingen sie auf die Straßen und verlangten von ihrer Regierung Schutz vor den Übergriffen der Terroristen, die – wie man später erfuhr - im Auftrage des Staatssicherheitsdienstes gehandelt hatten.
Heute erkennen die Kopten, dass das alte Regime, das ihnen so viel Leid zufügte, nicht beseitigt wurde und dass weitaus fanatischere Kräfte jetzt die Geschicke des Landes bestimmen. Die Angriffe gegen die Kopten und ihre Einrichtungen setzen sich fort, jetzt durch das ägyptische Militär. Drei Wüstenklöster wurden mit Panzern, Bulldozern und Maschinengewehren angegriffen, ihre Bewohner z.T. schwer verletzt. Man gewährte ihnen keinen Schutz vor den Tausenden von Schwerverbrechern, die in den Wirren der Revolution aus den Gefängnissen befreit wurden und teilweise in die Klöster eindrangen. Wenig später brannten Islamisten unter dem Schutz der Armee die Kirche der Heiligen St. Georg und St. Minas in Soul/Helwan nieder und vertrieben alle Christen aus dem Dorf. Als die Kopten der Müllsammlersiedlung von Mukattam gegen diese Grausamkeit demonstrierten, wurden sie von Islamisten mit Unterstützung der Armee angegriffen. Mindestens 14 Personen wurden ermordet und mehr als 150 - die meisten von ihnen Christen - schwer verletzt, 100 Wohnungen der Müllsammler geplündert, 10 ihrer Häuser, 15 ihrer Recyclingbetriebe sowie 50 Fahrzeuge niedergebrannt.* Am 7. Mai steckten Islamisten die Marienkirche von Imbaba in Brand und griffen die St.-Minas-Kirche an. 15 Personen wurden getötet und über 240 verletzt, die meisten von ihnen Kopten.
In Ägypten begann man, die Verfassung und die Wahlordnung für das Parlament zu überarbeiten. Darin sehen die mehr als 12 Mio. ägyptischer Christen eine Chance. Die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz hatten mehr Demokratie gefordert.
Die Kopten sind Bürger dieses Staates, die Nachkommen der Urbevölkerung des Landes. Dennoch sind sie benachteiligt, diskriminiert und an Leib und Leben bedroht. Sie fürchten heute, dass sich ihre Lage in Zukunft noch wesentlich verschlimmern könnte.
Sie bitten in dieser Situation um Unterstützung.
Sie möchten mit allen ihren Mitbürgern gleichberechtigt und in Frieden leben. Sie fordern deshalb:
- die Abschaffung von Artikel II der ägyptischen Verfassung
Er macht die islamischen Gesetze (Sharia) zur Hauptquelle allen Rechts, beraubt Nicht-Muslime ihrer Bürgerrechte, und die Zerstörung von Kirchen und die Christenverfolgung bis hin zur Tötung, werden durch ihn legalisiert.
- die Bestrafung von Kopten-Mördern nach staatlichem ägyptischem Recht und nicht nach der Sharia
Diese erlaubt Muslimen, Andersgläubige zu töten.
- ein Ende des ungerechten Handelns gegen die Kopten
Die Opfer und ihre Angehörigen werden in der Regel durch Polizei und Justiz eingeschüchtert und gefoltert, bis sie ihre Aussagen widerrufen, während die Schuldigen nicht bestraft werden.
- das Recht auf freie Wahl und Ausübung der Religion
- eine Gleichstellung von Kirchen und Moscheen bezüglich Bau- und Reparaturgenehmigungen
- eine angemessene Vertretung der Kopten im Parlament ihres Landes D.h. Besetzung von 15 % aller Parlamentssitze mit Christen gemäß ihrem Anteil an der Bevölkerung, anstelle von gegenwärtig nur 1 %.
- die Einstellung von Christen in staatlichen Schlüsselpositionen gemäß ihrem Anteil an der Bevölkerung
- die Zulassung von Christen zu Polizei- und Militärakademien sowie der größten Universität des Landes, Al-Azhar
Diese werden auch mit Hilfe der Steuergelder von Christen unterhalten.
- die Entfernung von Hasspredigern aus staatlichen und nicht-staatlichen Moscheen Übergriffe gegen Kopten, ihre Kirchen und ihre Einrichtungen finden meist nach dem Freitagsgebet statt.
- die Beendigung der Hetzkampagnen gegen Christen in den staatlichen Medien
- eine Beseitigung von christenfeindlichen Inhalten aus den Lehrprogrammen von Schulen und Universitäten sowie die Anerkennung der koptischen Epoche und der Rolle der Kopten in der Geschichte Ägyptens
* www.ahram.org.eg/Al-Ahram%20Files/News/66632.aspx;
www.ahram.org.eg/The-First/News/66681.aspx;
http://www.almasryalyoum.com/multimedia/video