25.05.2011

Ökumene: Religionen gemeinsam nach gerechtem Frieden

Die Welt wird immer friedloser

Ökumene: Religionen gemeinsam nach gerechtem Frieden

Die Welt wird immer friedloser

 

Kingston/London (idea) – In einer immer friedloseren Welt haben die ökumenisch ausgerichteten Kirchen die Vision von einem gerechten Frieden bekräftigt. Dafür sollten sich die Weltreligionen gemeinsam einsetzen, heißt es in der Schlusserklärung der internationalen ökumenischen Friedenskonvokation, die am 25. Mai in Kingston (Jamaika) zu Ende gegangen ist. Die Versammlung von rund 1.000 Kirchenvertretern aus mehr als 100 Ländern bildete den Abschluss der ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt. Gleichzeitig veröffentlichte das Institut für Wirtschaft und Frieden (Sydney/Australien) am 25. Mai in London den neuen Weltfriedensindex (Global Peace Index) für 2011. Danach ist die Friedfertigkeit der Welt im dritten Jahr in Folge gesunken. Die Bedrohung durch Terroranschläge und die Wahrscheinlichkeit gewalttätiger Demonstrationen seien die beiden wichtigsten Faktoren für diese Entwicklung. Infolge des Mangels an Frieden seien der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr mehr als 8,1 Billionen US-Dollar (5,8 Billionen Euro) verloren gegangen.

Käßmann: Wirtschaft profitiert von Gewalt

Hingegen hatte die frühere EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischöfin a.D. Margot Käßmann (Berlin), bei der ökumenischen Friedensversammlung beklagt, dass die Wirtschaft von Gewalt und Krieg profitiere. Die Religionen dürften sich nicht länger missbrauchen lassen, um Öl ins Feuer von Krieg und Gewalt zu gießen. Die Kirchen sollten weiter ihren Traum von einer gewaltfreien Welt verfolgen, in Konflikten vermitteln und die Regierungen mahnen, mit der Produktion, Finanzierung und dem Handel von Waffen Schluss zu machen.

Gemeinsame Friedensbasis aller Religionen

Wie es in der mit Ovationen aufgenommenen Schlusserklärung der ökumenischen Versammlung heißt, sei Friede ein zentraler Wert aller Religionen. Die Verheißung des Friedens gelte allen Menschen ungeachtet ihrer Traditionen und Weltanschauungen. Durch interreligiösen Dialog suche man eine gemeinsame Basis aller Weltreligionen. Reuig heißt es in der Erklärung, auch Christen hätten sich oft zu Komplizen von Gewalt, Ungerechtigkeit, Militarismus, Rassismus, Kastendenken, Intoleranz und Diskriminierung gemacht. Dafür bitte man Gott um Vergebung.

Kirchen beschäftigen sich mit sich selbst

Deutsche Kirchenvertreter bei der Friedenstagung lobten den Austausch unter den Teilnehmern und die Anregungen durch konkrete Beispiele des Friedensengagements in vielen Ländern. Gleichzeitig kritisierte etwa EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte (Hannover), dass sich die Kirchen zu sehr mit sich selbst beschäftigt hätten. Gemangelt habe es an der Auseinandersetzung mit Wirtschaft und Politik. Der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms (Bremen) vermisste die Auseinandersetzung mit den Krisen in der arabischen Welt. Der Evangelische Militärbischof Martin Dutzmann (Detmold) wünschte sich deutlichere Stellungnahmen des ÖRK zu aktuellen Konflikten. Der ÖRK umfasst 349 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen, die über 560 Millionen Mitgliedern in über 110 Ländern repräsentieren.