22.11.2011
Israelkongress: Reaktionen auf Teilnahmeverbot messianischer Juden
Wer darf Solidarität mit Israel zeigen?
Israelkongress: Reaktionen auf Teilnahmeverbot messianischer Juden
Wer darf Solidarität mit Israel zeigen?
Wetzlar (idea) – Auf unterschiedliche Reaktionen bei evangelikalen Israel-Werken ist die Entscheidung gestoßen, eine Gruppe messianischer Juden – sie glauben an Jesus Christus als den Messias – nicht am 2. Deutschen Israelkongress teilnehmen zu lassen. Der Kongress hatte Ende Oktober in Frankfurt am Main stattgefunden. Betroffen war der Beit Sar Shalom-Evangeliumsdienst (Berlin). Auf dem Treffen unter dem Motto „Frieden durch Sicherheit – Sicherheit durch Frieden“ hatten sich 3.000 Teilnehmer solidarisch mit Israel gezeigt.
„Messianische Juden sind engste Freunde“
Verständnis für die Entscheidung der Veranstalter – des Vereins "I like Israel e.V. " (Frankfurt am Main) – äußerte der Vorsitzende von der Organisation „Christen an der Seite Israels“, Harald Eckert (Zierenberg bei Kassel): „Jeder Veranstalter hat das Recht, zu definieren, wer als Mitwirkender bei seiner Veranstaltung passt oder nicht.“ Bei einer offiziellen Partnerschaft mit messianischen Organisationen – insbesondere solchen mit einem missionarischen Profil – wären die wichtigsten Sponsoren abgesprungen und der Kongress hätte nicht stattfinden können, meinte der Publizist. Doch Stil und Wortwahl, mit der der Veranstalter diese Linie kommuniziert habe, sei „zum Teil problematisch“ gewesen. „Christen an der Seite Israels“ hätten deshalb Veränderungen angemahnt, die aber nur teilweise berücksichtigt worden seien. Intern habe man aber immer deutlich gemacht, „dass die messianischen Juden in besonderer Weise unsere engsten Brüder und Freunde sind und wir gerne einen Weg gefunden hätten, diese in den Kongress zu integrieren“. Mittelfristig müsse es möglich sei, dass messianische Juden an einem solchen Kongress ihre Solidarität mit Israel bekunden, wenn sie dort „in Wort und Schrift keine missionarischen Aktivitäten entfalten“. Nötig seien aber Zeit, Weisheit und Geduld auf beiden Seiten für vertrauensbildende Maßnahmen.
Was das Grundgesetz fordert
Das Institut für Israelogie (Gießen) des Fördervereins für evangelikale Theologie und Ausbildung bedauert, dass die messianischen Juden auf dem Kongress nicht zugelassen waren, „obwohl diesen doch ausdrücklich und bewusst das Wohl Israels am Herzen liegt“. Institutsleiter Berthold Schwarz hofft, dass es bei der Kongressleitung zu einem „ernsthaften Umdenken“ kommt, „selbst wenn die theologische Existenz von an Jesus Christus, dem Messias, glaubenden Juden bei anderen Juden ein Dorn im Auge sein mag“. Die vom deutschen Grundgesetz gewünschte religiöse Toleranz „gebietet ein konstruktives Aufeinanderzugehen, insbesondere zwischen Juden und messianischen Juden“.
Juden haben Angst vor Judenmission
Der Geschäftsführer der Sächsischen Israelfreunde, Wilfried Gotter (Rossau), erklärte: „Die Juden haben aufgrund der antisemitischen Kirchengeschichte wahnsinnige Angst vor Judenmission.“ Sie sähen in messianischen Juden „Christen im anderen Gewand, die sie nur missionieren wollen“. Deshalb sei es ein Fortschritt, dass überhaupt eine christliche Organisation wie die Sächsischen Israelfreunde eingeladen und mit zwei Seminaren am Kongress mitwirken durfte. Man wolle weiter als Versöhner, Brückenbauer und Vermittler auftreten und auch dafür beten, dass in Zukunft messianische Juden zugelassen werden. Kritik äußerte Gotter an der unter manchen Christen vertretenen theologischen Anschauung, dass alle biblischen Verheißungen Gottes für Israel heute auf die Kirche übergegangen seien. Diese Ersatztheologie müsse überwunden werden. Denn das Bibelwort gelte weiter: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich (Römer 11,18).“