11.10.2011
Simbabwe: Mugabe soll Gewalt gegen Anglikaner stoppen
Oberhaupt der Weltgemeinschaft übergibt Dossier: „Zeit immenser Drangsal“
Simbabwe: Mugabe soll Gewalt gegen Anglikaner stoppen
Oberhaupt der Weltgemeinschaft übergibt Dossier: „Zeit immenser Drangsal“
Harare (idea) – In Simbabwe hat das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams (London), Staatspräsident Robert Mugabe aufgefordert, der „Gewalt und Einschüchterung“ von Anglikanern ein Ende zu bereiten. Williams überreichte dem 87-Jährigen am 9. Oktober im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Harare ein Dossier, in dem zahlreiche Übergriffe aufgeführt sind. So hatte die Polizei Kirchen geschlossen, Schulen und Krankenhäuser beschlagnahmt und war mit Tränengas gegen Gottesdienstbesucher vorgegangen. Teilweise mussten Anglikaner Gottesdienste im Freien oder in Zelten abhalten. Sie hätten eine Zeit „immenser Drangsal“ durchlebt, sagte Williams. Die anglikanische Weltgemeinschaft stehe zusammen mit ihren ökumenischen Partnern einmütig hinter dem Begehren „einfacher Anglikaner“ in Simbabwe, ihren Glauben frei und in Frieden zu leben.
Abgesetzter Bischof gilt als Mugabes Marionette
Im Hintergrund steht ein Konflikt um den früheren anglikanischen Bischof von Harare, Nolbert Kunonga. Er gilt als Marionette des ehemaligen Alleinherrschers Mugabe. Kunonga kontrollierte die anglikanische Kirche in Simbabwe seit September 2007 und wurde von der Weltkirche abgesetzt. Er weigerte sich aber zurückzutreten und belegte Kirchen und Grundstücke mit Beschlag. Kunonga gilt – wie Mugabe – als scharfer Gegner der Homosexualität. Dieses Thema hat jedoch nach Angaben der Londoner Zeitung „The Times“ in dem Gespräch zwischen dem Erzbischof und dem Präsidenten kaum eine Rolle gespielt. Zuvor hatte Williams in einem Stadion am Rande Harares einen Abendmahlsgottesdienst mit rund 15.000 Teilnehmern gefeiert und sie dabei der Solidarität der rund 70 Millionen Mitglieder zählenden Weltgemeinschaft versichert.
Mugabe richtete einstige Kornkammer zugrunde
Das Land im südlichen Afrika wird seit 2008 in einer Einheitsregierung von Mugabe als Präsident und dem früheren Oppositionsführer Morgan Tsvangirai als Premierminister regiert. Mugabe herrschte zuvor als Diktator. Der Altkommunist, der seit der Unabhängigkeit Simbabwes im Jahr 1980 an der Macht ist, hat das Land zugrunde gerichtet, das einst als Kornkammer Afrikas galt. Die Bevölkerung leidet unter Hunger, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und Inflation. Etwa 78 Prozent der 12,6 Millionen Einwohner gehören Kirchen an, 19 Prozent sind Anhänger von Stammesreligionen, und der Rest setzt sich aus Nichtreligiösen und Anhängern anderer Religionen zusammen. Die 367.000 Anglikaner stellen etwa 2,9 Prozent der Bevölkerung.