20.10.2011
Kosovo: Zahl der Protestanten nimmt stark zu
In 20 Jahren von 15 auf über 5.000 – Übergriffe durch radikale Muslime
Kosovo: Zahl der Protestanten nimmt stark zu
In 20 Jahren von 15 auf über 5.000 – Übergriffe durch radikale Muslime
Bad Liebenzell (idea) – Die Zahl der evangelischen Christen im islamisch dominierten Kosovo ist in den vergangenen 20 Jahren stark gestiegen. Während es 1992 in dem Balkanland lediglich eine Gemeinde mit 15 Mitgliedern gegeben habe, bestünden heute 36 Gemeinden mit mehr als 5.000 Mitgliedern. Das berichtete der Präsident der Protestantisch-Evangelikalen Kirche im Kosovo, Pastor Femi Cakolli (Pristina), gegenüber idea. Sie umfasst 32 evangelische Gemeinden des südosteuropäischen Landes und gehört zur Europäischen sowie Weltweiten Evangelischen Allianz. Cakolli nimmt an der Generalversammlung der europäischen Allianz vom 17. bis 21. Oktober in Bad Liebenzell teil. Nach seinen Angaben bekennt sich etwa die Hälfte der Protestanten im Kosovo offen zum christlichen Glauben. Die andere Hälfte halte sich aus Angst vor Benachteiligungen in Ausbildung und Arbeitsleben zurück. Nach Cakollis Angaben verüben radikale Muslime immer gewalttätige Übergriffe auf evangelische Gemeinden und Christen. So würden Kirchenfenster eingeworfen: „Die Räume meiner Gemeinde wurden in zehn Jahren sieben Mal angegriffen.“ Außerdem würden Christen bedroht und aufgefordert, nicht mehr in die Gottesdienste zu gehen. Es komme auch vor, dass Gemeindemitglieder wegen ihres Glaubens zusammengeschlagen werden. Nach Angaben des Pastors besteht in den größeren Städten mehr Glaubensfreiheit als in Kleinstädten und Dörfern, die unter der Kontrolle islamischer Geistlicher stünden.
Keine Kirchenbauten möglich
Cakolli zufolge haben nur drei der 36 evangelischen Gemeinden eigene Gebäude. Die übrigen hätten Räume gemietet. Dies hänge damit zusammen, dass die Gemeinden keine Grundstücke erwerben könnten, um Kirchen zu errichten. Sie dürften auch keine öffentlichen Gebäude für ihre Veranstaltungen nutzen. Cakolli würde es nach eigenen Worten begrüßen, wenn mehr Missionare ins Land kämen: „Aus Deutschland sind es nur zwei.“ Sie arbeiteten in der Gemeindegründung und geistlichen Schulung. Dem Pastor zufolge sind von den 1,8 Millionen Einwohnern des Kosovo rund 90 Prozent muslimische Kosovo-Albaner, fünf Prozent orthodoxe Serben und drei Prozent Katholiken. 2008 hatte das Parlament des Kosovo die Unabhängigkeit des Landes von Serbien erklärt. Serbien betrachtet den Kosovo aber weiter als eigene autonome Provinz.