07.09.2011
Afghanistan: Zwei deutsche Christen und ihr Tod am Hindukusch
Zwei deutsche Entwicklungshelfer wollten den notleidenden Menschen in Afghanistan helfen. Sie haben dafür einen hohen Preis bezahlt: ihr Leben. Die Leichen der seit dem 19. August am Hindukusch vermissten evangelischen Christen Siegbert Stocker (69) aus Meißen in Sachsen und Willi Ehret (59) aus Heimerdingen in Baden-Württemberg wurden am 5. September entdeckt. Ein Beitrag von idea-Redakteur Klaus Rösler.
Afghanistan: Zwei deutsche Christen und ihr Tod am Hindukusch
Zwei deutsche Entwicklungshelfer wollten den notleidenden Menschen in Afghanistan helfen. Sie haben dafür einen hohen Preis bezahlt: ihr Leben. Die Leichen der seit dem 19. August am Hindukusch vermissten evangelischen Christen Siegbert Stocker (69) aus Meißen in Sachsen und Willi Ehret (59) aus Heimerdingen in Baden-Württemberg wurden am 5. September entdeckt. Ein Beitrag von idea-Redakteur Klaus Rösler.
Dorfbewohner fanden die Leichen und alarmierten die Behörden. Die Männer lagen in Säcken verpackt unter einem Felsen im Salang-Pass in der Provinz Parwan – nördlich der Hauptstadt Kabul. In der Nähe waren die beiden zu einer Bergwanderung aufgebrochen. Provinzgouverneur Basir Salangi sagte im Fernsehen des Landes, die Deutschen seien erschossen worden. Die Polizei hatte seit Tagen nach ihnen gesucht. Vergeblich. Noch ist das Motiv unklar. Man vermutet Raubmord. Denn keine Organisation – wie etwa die Taliban – hat sich zur Tat bekannt. Das Auswärtige Amt wollte den Tod der beiden offiziell nicht bestätigen. Zwei Leichen seien zur Identifizierung nach Kabul gebracht worden, hieß es. Auch die beiden entsendenden Organisationen wollten keine Erklärungen abgeben. Der Werkzeugmachermeister Siegbert Stocker arbeitete seit zwei Jahren für die Kommunität der Christusträger in Kabul; der promovierte Landwirt Willi Ehret war für die staatliche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) tätig.
Ehret: Berufen, um für Gott zu arbeiten
Noch vor wenigen Wochen war Ehret zu Besuch in Deutschland – zu einem Klassentreffen. Er habe keine Angst. Gefährlich sei es in Afghanistan eher für Soldaten, meinte er damals. Ein unvorsichtiger Draufgänger war der Vater von drei erwachsenen Kindern nicht. Als junger Mann hatte er erfahren, was für eine Kraft im christlichen Glauben steckt. War er vorher eher niedergeschlagen, strahlte er nun Freude und Zuversicht aus. Er wusste sich berufen, für Gott im Ausland zu arbeiten. Nach dem Besuch der Bibelschule Wiedenest (Bergneustadt bei Gummersbach) ging er als Missionar der Deutschen Missionsgemeinschaft (Sinsheim bei Heidelberg) nach Nigeria – ins islamisch geprägte Jos. Später wurde er Entwicklungshelfer im Auftrag der GIZ im ostafrikanischen Malawi, einem der ärmsten Länder der Erde. Als er dann in Afghanistan gebraucht wurde, sagte er zu.
Stocker: Ein lebendiger Brief für Gott
Siegbert Stocker gehörte seit 1969 zu den Christusträgern. Seit zwei Jahren war er in Kabul tätig, zusammen mit zwei weiteren Brüdern. Die Bruderschaft betreibt in Kabul zwei Kliniken für Lepra- und Tuberkulosekranke und eine Werkstatt. Im März 2010 übernahm er die Leitung einer neuen Lehrwerkstatt für Metallbauer. Er liebte seine „schöne und anstrengende Arbeit“ – trotz mancher Sprachprobleme. Immer wieder überlegte er, wie er den jungen Afghanen technisches Denken vermitteln könnte. Denn in der Kultur ist es üblich, dass Auszubildende immer nur „Ja“ sagen – auch wenn sie nichts verstanden haben. Was tun? Er beschaffte sich einige Lego-Technik-Bausätze, um das Technikverständnis der Jugendlichen zu fördern. „Mit guter Frucht“, wie er im letzten Rundbrief schrieb. Er wusste sich in seiner Tätigkeit von Gott abhängig. Als etwa seine Arbeitserlaubnis verlängert werden musste, schrieb er, dass er dafür „der himmlischen Abteilung für Auslandsdienste“ vertraue. Was ihn antrieb: In seiner Arbeit wollte er „ein lebendiger Brief Gottes sein“. Das ist er nun auch im Tod.