16.09.2011
Türkei: Für Rechte von Kurden und Christen eintreten
Offener Brief der Gesellschaft für bedrohte Völker an Bundespräsident Wulff
Türkei: Für Rechte von Kurden und Christen eintreten
Offener Brief der Gesellschaft für bedrohte Völker an Bundespräsident Wulff
Göttingen (idea) – Bundespräsident Christian Wulff soll sich für die Rechte von Kurden und Christen in der Türkei einsetzen, wenn er am 19. September in Berlin den türkischen Präsidenten Abdullah Gül empfängt. Das hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen), in einem Offenen Brief gefordert. Darin wird Wulff gebeten, „klare Worte“ zur Menschenrechtslage dieser Minderheiten zu sprechen. Er solle Gül bitten, stärker für eine friedliche und demokratische Lösung der Kurdenfrage einzutreten. Das türkische Militär gehe unvermindert hart gegen die kurdische Zivilbevölkerung in der Türkei und im Irak vor. Den Konflikt mit der verbotenen kurdischen Rebellenorganisation PKK, der seit 27 Jahren mindestens 45.000 Opfer unter Kurden und Türken gefordert habe, könne keine Seite gewinnen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker bittet den Bundespräsidenten auch, sich für das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel im Südosten der Türkei einzusetzen: „Die Gerichtsverfahren, mit denen das Kloster um große Teile seiner Ländereien gebracht werden sollen, müssen eingestellt werden.“ Das seit dem Jahr 397 bestehende Kloster betreut rund 3.000 Christen. Mehr als 300.000 Kirchenmitglieder flohen in den vergangenen Jahrzehnten nach Europa, um Verfolgung und staatlicher Unterdrückung durch Türken und Kurden zu entgehen. In dem Schreiben der Gesellschaft für bedrohte Völker heißt es abschließend: „Jegliche religiöse und ethnische Diskriminierung von Christen in der Türkei muss endlich beendet werden.“ Die Organisation spricht nach eigenen Angaben auch im Namen von rund 800.000 Kurden und 100.000 Christen aus der Türkei, die in Deutschland leben. Von den 72 Millionen Einwohnern der Türkei sind 95 Prozent Muslime. Die Zahl der Christen liegt bei 120.000.