23.09.2011

Iran: "Wir sind vorsichtig bei Besuchern"

Geheimpolizei beobachtet Gemeindeaktivitäten etablierter Gemeinden genau

Iran: "Wir sind vorsichtig bei Besuchern"

Geheimpolizei beobachtet Gemeindeaktivitäten etablierter Gemeinden genau

(Open Doors) - Im Iran wird es immer schwieriger, Christen muslimischer Herkunft in ihrem Glaubensleben zu betreuen und sie in eine Gemeinde zu integrieren. Der Druck auf Christen wächst weiter, teilte ein einheimischer Gemeindeleiter dem Hilfswerk Open Doors mit. Laut Pastor Nader* spielen viele von ihnen mit dem Gedanken, das Land zu verlassen. Die Regierung beobachte alle Gemeindeaktivitäten sehr genau, insbesondere mögliche Verbindungen zu Muslimen.

Schwierigkeiten

"Mir ist zwar erlaubt, mich um meine Gemeindemitglieder zu kümmern", erklärt Nader. "Doch andere Iraner, sprich ehemalige Muslime, in unsere Kirche aufzunehmen, geschweige denn sie in ihrem Glauben an Jesus zu unterweisen, ist streng verboten. Dabei kommen in diesen Tagen viele Iraner zum Glauben." Leiter traditioneller Kirchengemeinden seien sehr vorsichtig und fühlten sich angesichts des anhaltenden Wachstums fast schon überfordert. Pastor Nader kümmert sich dennoch um Christen muslimischer Herkunft. Denn es mangelt an gut ausgebildeten Lehrern. Open Doors schätzt, dass drei Viertel der 450.000 Christen im Iran muslimischer Herkunft sind. Von der Regierung und Religionswächtern werden sie als "Abgefallene" vom Islam angesehen. In ihren Augen darf ein Muslim seine Religion nicht wechseln. So haben es Christen muslimischer Herkunft auch nicht einfach, Anschluss an eine christliche Gemeinde zu finden, etwa ehemalige Muslime, die durch eine Radiosendung via Satellit zum Glauben gekommen sind. Der nächste Schritt für sie wäre folgerichtig der Besuch einer etablierten Kirche. Damit sind jedoch hohe Risiken verbunden, wie Pastor Nader weiter erklärt: "Wir müssen sehr vorsichtig sein bei Besuchern, die Interesse am christlichen Glauben zeigen oder eine Bibel haben wollen. Es könnten auch Geheimpolizisten sein." Leicht könnte Pastor Nader sich strafbar machen, denn Mission von Muslimen gilt im Iran als Verbrechen.

Regelmäßige Verhöre

Ramin, ein anderer Gemeindeleiter, wird regelmäßig von der Geheimpolizei besucht:  "Sie fragen, was wir tun und warnen uns davor, über Jesus zu sprechen, christliche Bücher weiterzugeben oder Muslime zu evangelisieren." Ramin ist froh, dass viele für die Gemeinde Jesu im Iran beten. "Es tut so gut zu wissen, dass Menschen auf der ganzen Welt an unserer Seite stehen. Denn häufig fühlen wir uns allein und ausgegrenzt."

Pastor Nader und Ramin bitten stellvertretend für alle Christen im Iran weiterhin um Gebet.

*Alle Namen auch Sicherheitsgründen geändert.

Gebetsanliegen

•            Beten Sie um Weisheit für Pastoren und Gemeindeleiter von traditionellen Gemeinden. Sie stehen in einem Dilemma: Einerseits sehen sie ihre Verantwortung vor Gott, den Glaubensgeschwistern – auch ehemaligen Muslimen – zu helfen. Anderseits bringen sie damit sich und ihre Heimatgemeinde in Gefahr.

•            Bitten Sie um Schutz für Open Doors-Mitarbeiter und alle laufenden Projekte zur Stärkung der Christen (z. B. Schulungsprogramme, Glaubenskurse, Radio- und TV-Programme).

•            Beten Sie für die Männer und Frauen, die wegen ihres Bekenntnisses zu Jesus im Iran im Gefängnis sitzen.