28.09.2011

Indien: Leben mit der Bedrohung

Schikane und Übergriffe auf Christen in mehreren Bundesstaaten - Open Doors bittet um Beistand

Indien: Leben mit der Bedrohung

Schikane und Übergriffe auf Christen in mehreren Bundesstaaten - Open Doors bittet um Beistand

 

(Open Doors) - In Indien, der größten Demokratie der Welt, gehören Übergriffe gegen Christen weiterhin zum Alltag. Immer wieder werden sie Opfer von radikalen Hindus, denen die wachsenden Gemeinden und evangelistischen Aktivitäten vieler Christen ein Dorn im Auge sind. Das Hilfswerk Open Doors bittet Christen in aller Welt um Gebet besonders für Gemeinden und Hausgruppen in ländlichen Regionen. Derzeit belegt Indien Platz 32 auf dem Open Doors-Weltverfolgungsindex. Im Folgenden ein Überblick über die jüngsten dokumentierten Fälle von Verfolgung in einigen Bundesstaaten.

Bundesstaat Andhra Pradesh (Ostindien):  In Amistapur verprügelten Hindu-Extremisten der hindu-nationalistischen Organisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) Mitte August einen Pastor.  Sie beschuldigten Pastor Vandala John der Zwangsbekehrung. Wie der Gesamtindische Christenrat (AICC) berichtet, hatten die Extremisten gegen neun Uhr morgens ein christliches Wohnheim für Mädchen verwüstet und die dortige Bibliothek vernichtet. Dem Herbergsvater warfen sie vor, die Bewohnerinnen zum Christentum bekehren zu wollen. Als Pastor John beim Wohnheim eintraf, um den Christen zu helfen, schlugen die Extremisten ihn zusammen.

Bundesstaat Chhattisgarh (Ostindien): Ende August nahm die Polizei acht Christen fest. Radikale Hindus hatten die sechs Männer und zwei Frauen wegen Zwangsbekehrung angezeigt. Berichtet wurde, dass die Witwe Nevani Bhagat den Pastor Jaikant Badiak aus Jhardkhand und weitere örtliche Pastoren und Christen zum Abendessen und anschließendem Gebetstreffen eingeladen hatte. Als die Gruppe dabei war, das Haus wieder zu verlassen, stürmten die Männer in Begleitung von Medienvertretern herein. Sie brachten Pastor Badiak und sieben andere Christen zur Polizeistation und erstatteten dort Anzeige. Die sechs Männer wurden daraufhin ins Gefängnis nach Jashpur gebracht; die beiden Frauen nach Raigarh. Drei Tage später, am 30. August, kamen die Männer gegen Kaution wieder frei; die Frauen einen Tag später.

Bundesstaat Karnataka (Südindien):  In Mudhol, Bagalkot wurde ein Pastor zunächst von Hindu-Extremisten  verprügelt und anschließend festgenommen. Nach GCIC*-Angaben leitete Pastor Sangappa Hosamani Shadrak am 21. August gerade ein Gebetstreffen, als etwa 20 Bajrang-Dal-Anhänger (Jugendflügel des Hindu-Weltrats) hereinstürmten und auf den Pastor einschlugen. Zudem entweihten sie Brot und Wein, die für das Abendmahl bereitstanden. Durch Faustschläge ins Gesicht verlor der Pastor seine Vorderzähne. Die Extremisten zerrten ihn auf die Straße, fesselten ihn an einen Baum und riefen die Polizei. Der Inspektor nahm Pastor Shadrak und andere Christen zur Vernehmung auf die Polizeiwache mit. Shadrak wurde vorgeworfen, gemäß Abschnitt 295 des indischen Strafrechts eine religiöse Stätte entweiht zu haben in der Absicht, Angehörige einer anderen Religion zu beleidigen. Man brachte ihn ins Gefängnis. Erst nach Intervention christlicher Leiter wurde er am nächsten Tag auf Kaution entlassen.

Bundesstaat Karnataka (Südindien): Bei einer Feier zum indischen Unabhängigkeitstag am 15. August überfielen extremistische Hindus die Mitglieder einer christlichen Gemeinde in Narshipura im Bezirk Hassan. Ein Christ wurde dabei verletzt. Wie der AICC* berichtete, drohten die Angreifer Pastor Annaya und weiteren Gemeindemitgliedern, sie wegen ihres Glaubens an Christus zu töten. Der Pastor ist darüber äußerst besorgt: "Das ist erst der Anfang der bevorstehenden Gewaltakte gegen unsere Gemeinde!" In der vorhergehenden Woche hatten sie bereits zahlreiche Drohungen erhalten. Nun fürchtet Pastor Annaya um sein Leben und das anderer Christen. Gegen die Angreifer wurde Anzeige erstattet.

Quelle: Compass Direct

* AICC: All-India Christian Council (Gesamtindischer Christenrat)
GCIC: Global Council of Indian Christians (Allgemeiner indischer Christenrat)