20.11.2020

Deutschland: Arabische Christen leben immer im „Lockdown“

Predigten von Yassir Eric in die arabische Welt ausgestrahlt

Schwäbisch Gmünd (idea) – Während die Christen in Deutschland aktuell unter den Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise leiden, leben die Christen in der islamischen Welt unter einem permanenten „Lockdown“ angesichts eingeschränkter Religionsfreiheit. Das sagte der aus dem Sudan stammende Theologe Yassir Eric (Korntal bei Stuttgart) der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Leiter des „Europäischen Instituts für Migration, Integration und Islamfragen“ innerhalb der AWM (ehemals Akademie für Weltmission) in Korntal hat eine Woche lang zweimal täglich im Christlichen Gästezentrum Württemberg „Schönblick“ (Schwäbisch Gmünd) gepredigt. Die Mitschnitte wurden simultan ins Englische und Arabische übersetzt und über den christlichen Fernsehsender „Al-Hayat“ in die arabische Welt ausgestrahlt. Er habe mittlerweile viele Reaktionen von Christen aus islamischen Ländern erhalten. Dort hätten sich teilweise ganze Familien versammelt, um gemeinsam die Predigten zu hören. Das sei eine große Ermutigung für diese Menschen, die dauerhaft unter Einschränkungen ihrer Religionsfreiheit litten. Insbesondere zum Christentum konvertierte Muslime seien davon betroffen. Sie müssten ihren Glauben geheim halten. In Schwäbisch Gmünd seien auch Muslime zu den Gottesdiensten und mit ihm ins Gespräch gekommen. Thematisch griffen die Gottesdienste unter dem Stichwort „Gott erlebt“ Biografien aus der Bibel auf. Morgens ging es um Personen, die vor der Zeit Jesu lebten, unter anderem um Noah, Abraham, Jakob, den Propheten Daniel und König David. Abends sprach Eric über Menschen aus dem Neuen Testament, denen Jesus begegnete, etwa der Samariterin, dem blinden Bartimäus oder den Emmaus-Jüngern.

Scheuermann: Große missionarische Chance in schweren Zeiten

Der Direktor des Schönblicks, Martin Scheuermann, berichtete gegenüber idea, dass auch beim Gästezentrum Reaktionen aus verschiedenen arabischen Ländern eingegangen seien. „Sogar aus Mekka haben wir die Nachricht erhalten, dass Christen die Gottesdienste gesehen haben.“ Der Fernsehsender „Al-Hayat“ erreiche durchschnittlich 40 Millionen Menschen: „Ich hätte mir nie geträumt, dass einmal vom Schönblick evangelistische Predigten in die arabische Welt ausgestrahlt würden.“ Aufgrund seiner Vergangenheit als früherer Islamist sei Eric hervorragend dafür geeignet, seine ehemaligen Glaubensgenossen zu erreichen. Allerdings habe es aus diesem Grund auch negative Reaktionen von Muslimen in Deutschland gegeben. Sie hätten sich darüber beklagt, dass christliche Botschaften in ihre Heimatländer gesandt werden. Damit müsse man leben, sagte Scheuermann, der die Aktion als großen Erfolg betrachtet: „Wir gehen von über 100 Menschen aus, die sich in diesen Tagen zu Jesus Christus bekehrt haben.“ Die Gottesdienste wurden bisher rund 32.000-mal in deutscher Sprache aufgerufen Stand: 20. November). Da die englischen und arabischen Übersetzungen über unterschiedliche Kanäle zur Verfügung gestellt werden, liegen keine Aufrufzahlen vor.