20.11.2020

Pakistan: Es geht um Menschenrechte nicht um Religion

Kardinal Coutts: “Das Gesetz ist für alle pakistanischen Bürger gleich"

Karatschi (Fides) - „Wir sind Bürger Pakistans und das Gesetz ist für alle pakistanischen Bürger gleich. Es liegt in der Verantwortung des Staates, Gerechtigkeit für seine Bürger zu gewährleisten. Das Thema Entführung, Zwangskonvertierungen und Zwangsehen sollte auf der Grundlage der Menschenrechte behandelt werden, anstatt es zu einem religiösen Thema zu machen. Es liegt in der Verantwortung des Staates, jedem Bürger Sicherheit, Schutz und Gerechtigkeit zu bieten, ohne Unterschied von Glaubensbekenntnis, Kultur, ethnischer Zugehörigkeit und sozialer Klasse", so Kardinal Joseph Coutts, Erzbischof von Karatschi, bei einem Treffen in der St.Patricks-Kathedrale in Karatschi am gestrigen, 19. November. Die Teilnehmer von der Justitia-et-Pax-Kommission der Erzdiözese Treffen befassten sich mit dem Fall von Arzoo Raja (siehe Fides 21/10/2020) und anderen entführten christlichen Minderjährigen, die Opfer von Kinderehen und Zwangskonvertierungen wurden.
"Ich würdige die Arbeit all unsere christlichen Brüder und Schwestern, die sich dafür einsetzen, diese Fälle von Entführung, erzwungener Bekehrung und Verheiratung minderjähriger Mädchen anzugehen und zu lösen”, so Kardinal Joseph Coutts “Ich schätze auch die Rolle der Zivilgesellschaft und ihre Unterstützung, um für diese Mädchen und ihren Familien Gerechtigkeit zu schaffen". Der Kardinal fügte hinzu:" Ich bin insbesondere auch Bilawal Zardari dankbar, dass im Fall von Arzoo Raja gehandelt hat hat. Wir schätzen das Eintreten des medizinischen Rates, der Justiz, aller Poliker und Menschenrechtsaktivisten für die Lösung des Problems”. Kardinal Coutts bemerkt in diesem Zusammenhang auch :" Es gibt Gesetze, die solche begangenen Straftatbestände anerkennen und bestrafen. Die Täter müssen nach dem Gesetz des Landes bestraft werden: Jemanden zu entführen, ihn zur Heirat oder zum Religionswechsel zu zwingen, ist ein Verbrechen, das nach den geltenden Gesetzen strafbar ist".
Moderiert wurde das Treffen von Pfarrer Saleh Diego, Direktor der Justitia-et-Pax-Kommission und Generalvikar der Erzdiözese Karatschi. Anwesend waren zahlreiche katholische Priester, Pastoren der protestantischen Kirchen, christliche Anwälte, Menschenrechtsaktivisten, katholische Laien und Gläubige anderer Religionen.
Pfarrer Saleh Diego warnte in seinem Grußwort an die rund 100 Teilnehmer: "Wir müssen unsere Bemühungen fortsetzen und gemeinsam arbeiten, aber gleichzeitig müssen wir vermeiden, nutzlose Gerüchte und falsche Nachrichten über Fälle von Entführungen, Zwangskonvertierungen und Ehen zu verbreiten". Damit würde man tatsächlichen Fällen schaden.
"Wir schätzen alle, die ihre Stimme über Social-Media-Plattformen erhoben haben, aber wir hoffen, dass diese Themen nicht als religiöse Themen wahrgenommen werden: Zuerst sind wir pakistanische Staatsbürger und dann sind wir eine religiöse Minderheit in Pakistan. Wir müssen Staatsbeamte, Sicherheitskräfte und die Justiz aktiv dabei unterstützen, das Gesetz durchzusetzen und die Rechte aller zu garantieren. "
(AG-PA) (Fides 20/11/2020)