15.04.2012
Afghanistan: „Innere Not“ wegen seines Glaubens
Ein Asylbewerber kehrte von Ostfriesland in seine Heimat zurück
Afghanistan: „Innere Not“ wegen seines Glaubens
Ein Asylbewerber kehrte von Ostfriesland in seine Heimat zurück
Emden (idea) – Ein junger Afghane, der im Ausland Christ geworden war, findet es nach der Rückkehr in seine Heimat schwer, Freiräume zur Praktizierung seines Glaubens zu finden. Das berichtete Pastorin Frauke Focke (Emden-Wolthusen) jetzt auf Anfrage von idea. Ihre Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde hatte dem jungen Mann, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden soll, viereinhalb Monate lang Kirchenasyl gewährt. Nach siebenjährigem vergeblichen Kampf um ein Bleiberecht in Europa war er Ende 2011 nach Afghanistan zurückgekehrt. Nach Angaben der Pastorin, die in Kontakt mit dem Mann steht, ist er von seiner muslimischen Familie aufgenommen worden. Doch befinde er sich in einer „inneren Not“, weil er seinen Glauben möglichst verbergen müsse. „Abtrünnige“ vom Islam werden oft ausgegrenzt oder verfolgt. Auf einem kleinen Grundstück der Verwandten wolle er sich ein winziges Haus bauen, um eine Rückzugsmöglichkeit zu haben. Auch materiell stoße er auf große Schwierigkeiten. Wegen der extrem hohen Arbeitslosigkeit könne der ledige Mann nur schwer für seinen Unterhalt sorgen.
Keine öffentlich zugängliche Kirche
Er war 2005 nach Schweden gereist, dort Christ geworden und hatte Asyl beantragt. Nach der Ablehnung floh er 2008 nach Deutschland. Seit 2010 lebte er in Wolthusen. Er sei gut in die Gemeinde integriert gewesen, so die Pastorin, doch schließlich nach Afghanistan zurückgekehrt, weil er keine andere Möglichkeit mehr gesehen habe. Im Land am Hindukusch ist der Islam Staatsreligion. Nach dem Religionsgesetz, der Scharia, kann der „Abfall vom Islam“ mit dem Tod bestraft werden. Seit 2009 gibt es in Afghanistan keine öffentlich zugängliche Kirche mehr. Die Zahl der Christen wird auf maximal 15.000 geschätzt; die meisten sind Ausländer. Das Land hat etwa 29 Millionen Einwohner. 80 Prozent sind sunnitische und etwa 19 Prozent schiitische Muslime.