24.02.2012
Syrien: Glauben leben inmitten der Unruhen
Private Gebetstreffen stärken Christen
Pastoren bitten dringend um Gebet
(Open Doors) - Die Aufstände gegen das Regime von Baschar al-Assad seit fast einem Jahr haben die Christen in Syrien in eine sensible Lage gebracht: Bislang waren die 1,9 Millionen Christen etablierter Teil der Gesellschaft. Doch obwohl auch sie sich demokratische Reformen wünschen, fürchten sie, im Fall eines Umsturzes als erste ins Visier von Islamisten zu geraten - gelten sie doch als Unterstützer der alawitischen Assad-Regierung. Nach Einschätzung von Kontaktpersonen vor Ort haben mehr als drei Viertel der Christen Homs, die Hochburg des Widerstandes gegen den Präsidenten, in Richtung umliegender Dörfer oder der Hauptstadt Damaskus verlassen. Eine evangelikale Gemeinde soll angegriffen worden sei.
Stimmen aus Syrien
Wie sieht derzeit das Gemeindeleben in Syrien aus? Open Doors steht in Kontakt mit einigen Pastoren vor Ort*. Nach ihren dringlichsten Wünschen angesichts der in manchen Regionen äußerst angespannten Lage befragt, gaben sie immer wieder zurück: "Gebet" – das sei es, was sie derzeit am meisten bräuchten. In den Gesprächen zeigte sich auch das einhellige Bild eines derzeit eingeschränkten Gemeindelebens: Wenngleich die Lage von Region zu Region verschieden ist, haben Kirchen in vielen Städten ihre Abendgottesdienste ausgesetzt und kommen nur tagsüber zusammen, einige nur sonntags. Nach Sonnenuntergang und an Freitagen bleiben die Christen in ihren Häusern. Christliche Schulen bleiben freitags generell geschlossen.
Ein Pastor* sagte: "Wir haben einen festen Glauben. Zwar feiern wir gegenwärtig nur am Sonntag Gottesdienst, doch viele Gemeindemitglieder treffen sich darüber hinaus zum Gebet, entweder in ihren Häusern oder unter der Woche in der Kirche." Christen muslimischer Herkunft, mit denen er im Kontakt stehe, führten ihre Treffen fort - wenn auch nur einmal in der Woche und nur in Privaträumen. Gezielte Angriffe auf Christen habe er derzeit nicht erlebt, jedoch: "Wir wissen nicht, wie sich die Dinge verändern werden". Ein anderer Pastor berichtete: "Langsam gewöhnen wir uns an diesen Alltag, aber wir beten, dass wieder Normalität und Frieden einkehren. Wir wollen Gott vertrauen. Er ist gut und hält, was er in seinem Wort versprochen hat."
"Homs gleicht einer Geisterstadt"
Auch in Homs finden Gottesdienste nur am Sonntagmorgen statt, werden jedoch nur von wenigen besucht. "Benachbarte Gemeindemitglieder treffen sich in Privathäusern. Homs gleicht einer Geisterstadt", so ein örtlicher Christ. "Häuser geflohener Christen sind geplündert worden. Die Menschen sorgen sich um ihre Sicherheit, und sie haben keine Vorräte mehr. Es bringt einen zum Weinen."
*aus Sicherheitsgründen ungenannt
Bitte stehen Sie den Christen in Syrien mit Ihrem Gebet bei.
Gebetsanliegen
• Danken Sie für die Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen und Denominationen, die in Syrien auch während dieser unruhigen Zeit ein Zeugnis für Jesus sein wollen. Möge Gott sie beschützen, sie weiterhin stärken und ihnen viel Weisheit geben.
• Beten Sie für unsere Projekte zur Stärkung von Christen, die erst vor Kurzem zum Glauben gekommen sind.
• Beten Sie für ein Ende der Gewalt in Syrien.
Seit einigen Jahren stärkt und ermutigt Open Doors syrische Gemeinden mit Glaubenskursen u.a. für Christen muslimischer Herkunft, hilft bei der Vernetzung von Gemeinden für Gebetstreffen und stellt benötigte christliche Literatur wie Bibeln oder auch DVDs bereit.