06.01.2012
Simbabwe: Appell an Präsident Mugabe
Südafrikanischer Erzbischof entsetzt über Polizeirazzia in Simbabwe
Simbabwe: Appell an Präsident Mugabe
Südafrikanischer Erzbischof entsetzt über Polizeirazzia in Simbabwe
Kapstadt/Harare (idea) – Ein südafrikanischer Kirchenleiter hat den Staatspräsidenten von Simbabwe, Robert Mugabe, aufgefordert, allen Bürgern Religionsfreiheit zu gewähren. Anlass war eine Polizeirazzia auf die jährliche Gebetsklausur anglikanischer Geistlicher aus der Diözese Harare. Rund 80 Pfarrer waren dazu in Mandora im Osten des Landes zusammengekommen, doch Sicherheitskräfte lösten die angeblich nicht genehmigte Versammlung auf. Das Oberhaupt der südafrikanischen Anglikaner, Erzbischof Thabo Makgoba (Kapstadt), bezeichnete den Polizeieinsatz als „schockierend und beklagenswert“. In einer Erklärung vom 4. Januar mahnt er Mugabe, die Sicherheitskräfte anzuweisen, die Religions- und Versammlungsfreiheit zu respektieren. Der ökumenischen Nachrichtenagentur ENInews zufolge hatte Makgoba den Präsidenten bereits im Oktober aufgefordert, der „Gewalt und Einschüchterung“ von Anglikanern ein Ende zu bereiten. Zusammen mit dem geistlichen Oberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams (London), überreichte er dem 87-jährigen Mugabe persönlich eine Dokumentation von Übergriffen. So hatte die Polizei Kirchen geschlossen, Schulen und Krankenhäuser beschlagnahmt und war mit Tränengas gegen Gottesdienstbesucher vorgegangen.
Abgesetzter Bischof gilt als Mugabes Marionette
Im Hintergrund steht ein Konflikt um den früheren anglikanischen Bischof von Harare, Nolbert Kunonga. Er gilt als Marionette Mugabes. Kunonga kontrollierte die anglikanische Kirche in Simbabwe seit September 2007 und wurde von der Weltkirche abgesetzt. Er weigerte sich aber zurückzutreten und belegte Kirchen und Grundstücke mit Beschlag. Seit Mai 2009 steht Bischof Chad Gandiya an der Spitze der Diözese von Harare. Er wird jedoch von Kunonga und Mugabe nicht anerkannt.
Mugabe machte einstige Kornkammer zum Armenhaus
Simbabwe wird seit 2008 in einer Einheitsregierung von Mugabe als Präsident und dem früheren Oppositionsführer Morgan Tsvangirai als Premierminister regiert. Mugabe herrschte zuvor seit 1980 Diktator. Der Altkommunist richtete das Land zugrunde, das einst als Kornkammer Afrikas galt. Die Bevölkerung leidet unter Hunger, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und Inflation. Etwa 78 Prozent der 12,6 Millionen Einwohner gehören Kirchen an, 19 Prozent sind Anhänger von Stammesreligionen, und der Rest setzt sich aus Nichtreligiösen und Anhängern anderer Religionen zusammen. Die 367.000 Anglikaner stellen etwa 2,9 Prozent der Bevölkerung.