19.01.2012
Naher Osten: Hacker-Krieg
Islamischer TV-Prediger ruft zum „Cyber-Dschihad“ auf
Tel Aviv/Riad/Abu Dhabi (idea) – Der Nahost-Konflikt wird nicht nur mit Waffen ausgetragen. Israelis und Araber bekämpfen sich seit einigen Wochen verstärkt über das Internet. Seit Neujahr liefern sich Hacker einen regelrechten Datenkrieg. Ein im Netz als „0xOmar“ auftretender saudischer Student hatte Anfang Januar begonnen, Kreditkarten- und Bankdaten von Israelis im Internet zu veröffentlichen. Er teilte mit, dass er über die Daten von 400.000 israelischen Bürgern verfüge. Am 16. Januar legten pro-palästinensische Netzaktivisten zeitweise die Webseiten der israelischen Fluglinie El Al, der Börse in Tel Aviv und einer israelischen Bank lahm. Einen Tag später schlug eine israelische Hackergruppe namens „Israel Defence Forces“ (IDF) zurück. Zuerst veröffentlichten sie im Internet die geheimen Kennwörter Dutzender Saudis. Nachdem die israelischen Hacker am 17. Januar die Internetseiten der Börsen von Abu Dhabi und Saudi-Arabien attackierten, rief ein einflussreicher islamischer Fernsehprediger und Geschäftsmann die Muslime zum „Cyber-Dschihad“ auf. Der Kuwaiter Imam Tarek al-Sowaidan, der den islamischen Unterhaltungssender Al-Risala leitet, schrieb in der Nacht zum 18. Januar im Kurznachrichtendienst Twitter: „Ich denke, es ist notwendig, die Kräfte der Hacker für das Projekt eines elektronischen Heiligen Krieges gegen den zionistischen Feind zu bündeln, dies ist ein aktiver und wichtiger Dschihad, für den es mit Gottes Segen reiche Belohnung geben wird.“ Die Twitter-Nachrichten des Kuwaiters werden von mehr als 240.000 Menschen gelesen.
Israelische Regierung nimmt Aktionen sehr ernst
Die israelische Regierung nimmt die arabischen Attacken sehr ernst. Der stellvertretende Außenminister Danny Ayalon verglich sie mit einem „Terrorangriff“, auf den Israel entsprechend reagieren müsse. „Israel hat die Fähigkeit, gegen alle vorzugehen, die es zu schädigen versuchen“, sagte er gegenüber Pressevertretern.