20.01.2012

Bosnien: Kardinal beklagt Diskriminierung der Christen

Der offenen Christenverfolgung geht mehr als nur gelegentlich die Diskriminierung von Christen in der Gesellschaft voran. Wenn Christen erstmal einen „Stempel“ tragen und sozial ausgegrenzt sind, fällt es auch leichter, aktive Maßnahmen gegen sie zu rechtfertigen.

Bosnien: Kardinal beklagt Diskriminierung der Christen

Der offenen Christenverfolgung geht mehr als nur gelegentlich die Diskriminierung von Christen in der Gesellschaft voran. Wenn Christen erstmal einen „Stempel“ tragen und sozial ausgegrenzt sind, fällt es auch leichter, aktive Maßnahmen gegen sie zu rechtfertigen.

Dieses Muster scheint jetzt auch in Bosnien-Herzegowina Anwendung zu finden, wenn man den Beobachtungen des katholischen Erzbischofs von Sarajewo,  Vinko Kardinal Puljic, folgen will. Dieser hatte unlängst gegenüber der katholischen Hilfsorganisation „Kirche in Not“ seine Besorgnis über die Lage der katholischen Kirche in Bosnien geäußert.

Auf dem Arbeitsmarkt, in den öffentlichen Schulen und in anderen Bereichen des sozialen Lebens im Lande werden laut dem Kardinal Katholiken systematisch benachteiligt.  (Anm. d. Übers.: Es ist zu bezweifeln, dass diese Benachteiligungen nur katholische Christen treffen. Vermutlich werden alle Nachfolger Christi dort diskriminiert.) Kardinal Puljic sieht darin einen Versuch, die Katholiken Bosniens zur, wie er es sagte „Ausreise“ zu bringen. Wer etwas weniger nachsichtig formuliert, könnte darin eine Vorstufe zu neuerlicher Vertreibung sehen. Diesmal keine ethnische, sondern religiös motiviert Vertreibung und das Mitten in Europa.

Kirchlicher Grund und Boden sowie sonstige Immobilien, die einstmals während der kommunistischen Herrschaft konfisziert worden waren, werden nicht zurückgegeben.  Bauanträge seitens der katholischen Kirche werden „auf unabsehbare Zeit“ verschleppt. Gleiches gilt natürlich nicht für Moscheegemeinden und Islamzentren. Der 66-jährige Kardinal Puljic beobachtet mit Besorgnis über die durch arabische Petrodollars angefeuerte, systematische Islamisierung des Landes und belegt dies mit der Zahl der Moscheen, die allein in der Stadt Sarajewo in den vergangenen Jahren errichtet wurden: siebzig. Er schätzt die Zahl der aktiven Wahhabisten im Land auf bis zu 5000. Der Wahhabismus ist eine radikale Koranauslegung, wie sie auch in Saudi-Arabien Staatsdoktrin ist. Eng verwandt mit dem in jüngster Zeit aus Ägypten bekannten, sog. „Salafismus“.

Der wahhabistischen Propaganda und den damit einhergehenden Versuchen, diesen radikalen Islam in der bosnischen Gesellschaft zu implementieren, werden in Bosnien wenige, bis gar keine Grenzen gesetzt. Vinko Kardinal Puljic sagt dazu:

Niemand in der Regierung hat den Mut, sich dieser Entwicklung zu widersetzen.

Die katholische Kirche wäre, so der Erzbischof von Sarajewo, mittlerweile die einzige, gesellschaftliche Kraft, die sich noch für ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben der verschiedenen, gesellschaftlichen und religiösen Gruppen in Bosnien einsetze.

Wir sind eine Minderheit, aber wir sind eine konstruktive Kraft, die einen Beitrag zum Erfolg der Gesellschaft leisten will.

Ca. 40 % der Bosnier sind Muslime, 31 % serbisch-orthodoxe Christen und nur ungefähr 10 % Katholiken. Durch Emigration seien jedoch die Zahlen der katholischen Christen weiter am Sinken.

Quelle: „where god weeps“ /Übersetzung: Berliner Gebetskreis