22.03.2012
USA: Amisch lehnen Warndreiecke an Pferdekutschen ab
Bei Amischen geht Glaube vor Verkehrssicherheit
Frankfort (idea) – Zu einer Gefahr für die Verkehrssicherheit führt das Verständnis von Religionsfreiheit einer Gruppe von Christen im US-Bundesstaat Kentucky. Die Angehörigen des sogenannten Swartzentruber-Zweigs lehnen nicht nur Autos und Elektrizität als unbiblisch ab, sie wollen auch ihre schwarzen Pferdekutschen nicht mit großen gelben Warndreiecken sichern. Ihre Begründung: Erstens sind sie gegen grelle Farben und zweitens gegen das Dreieck. Es symbolisiere die Dreifaltigkeit und dürfe nicht für weltliche Zwecke missbraucht werden. Diese Überzeugung halten sie auch vor Gericht durch. Der 40 Jahre alte Jacob Gingrich, der die Swartzentruber-Gruppe leitet, hat eine 13-tägige Haftstrafe verbüßt, weil er sich weigerte, Bußgelder wegen Gefährdung des Straßenverkehrs zu zahlen. In neun weiteren Fällen soll jetzt das Oberste Gericht des Bundesstaates angerufen werden, berichtet die Tageszeitung „The Times“. Als Kompromiss hat die Amischen-Gruppe angeboten, ihre Fahrzeuge nachts mit Laternen zu sichern.
Von der Welt absondern
Die Amischen sind eine protestantisch-täuferische Glaubensgemeinschaft mit Wurzeln in der Schweiz, die sich Ende des 17. Jahrhunderts von den Mennoniten abspaltete. Der Name geht auf den Schweizer Schneider Jakob Amman (1644-1730) zurück, der durch seine strenge Haltung zur Gemeindezucht eine Spaltung der Mennoniten herbeiführte. Nach ihrem Verständnis sollte sich die wahre christliche Gemeinde von der Welt, ihren Sünden und Verführungen, streng absondern. Als sogenannte „Wiedertäufer“, die die Kindertaufe ablehnen, wurden sie in Europa verfolgt und verstreut. Vom Ende des 18. Jahrhunderts an wanderten amische Familien auch aus wirtschaftlichen Gründen nach Nordamerika aus. Heute leben etwa 250.000 Amische in 28 US-Bundesstaaten und der kanadischen Provinz Ontario. Nicht alle sind so technikfeindlich wie die Swartzentruber-Gruppe.