18.04.2013

Kolumbien: Wie sich Christen für Frieden einsetzen

Ehemaliger Guerilla-Chef will heute Gott und den Menschen dienen

Kolumbien: Wie sich Christen für Frieden einsetzen

Ehemaliger Guerilla-Chef will heute Gott und den Menschen dienen

 

Leonberg (idea) – Mit „Versöhnungsgeschichten“ haben zwei Christen aus Kolumbien jugendliche Straftäter in Deutschland beeindruckt. Francisco Galán und Lácides Hernández berichteten bei Besuchen des Vereins „Seehaus“, wie sie sich für den Frieden in ihrem Land einsetzen. Der Verein bietet in Leonberg (bei Stuttgart) und Störmthal (bei Leipzig) einen „Jugendstrafvollzug in freien Formen“ an. In Kolumbien sind bei Kämpfen zwischen Armee, paramilitärischen Gruppen und Drogenkartellen in den vergangenen rund 50 Jahren mehr als 200.000 Menschen umgekommen. Galán war oberster Kommandeur der ELN (Nationale Befreiungsarmee), die neben der Rebellengruppe FARC (Revolutionäre Streitkräfte) Kolumbiens zweitgrößte Guerilla-Gruppe ist. 16 Jahre verbrachte er in Gefängnissen. In dieser Zeit überdachte er sein Leben und seinen Kampf für die Ideale der Guerilla. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass es der Vernunft widerspreche, Ideale mit Gewalt zu erkämpfen. Sein Fazit: „Kein Mensch hat das Recht zu Attentaten. Für das Leben gibt es nur zwei Ziele: den Menschen dienen und Gott dienen.“ Heute ist Galán Direktor der Organisation „Haus des Friedens“, die sich um einen Dialog zwischen den verfeindeten Gruppen bemüht.

„Opfer und Täter im Gespräch“

Hernández ist Präsident der überkonfessionellen Hilfsorganisation „Prison Fellowship Kolumbien“, deren deutsche Partnerorganisation das „Seehaus“ ist. Er hat ein Programm „Opfer und Täter im Gespräch“ entwickelt, bei dem Opfer über den ihnen zugefügten Schaden und über das Leid sprechen, ihre Wut und Emotionen loswerden und Täter mit den Auswirkungen ihrer Verbrechen konfrontieren können. Dies bewirke häufig Einsicht, Umkehr und Wiedergutmachung, sagte Hernandez. Als Beispiel erzählte er von dem Soldaten „Pedro“, der im Krieg mit den Guerilleros ein Bein durch eine Tretmine verlor. Im „Opfer und Täter“-Gesprächskreis erkannten zwei ehemalige Guerilleros, dass sie schuldig geworden seien, und erklärten sich zur Wiedergutmachung bereit. Ähnliche Gespräche bietet auch das „Seehaus“ an. Der Verein bereitet verurteilte Straftäter im Alter von 14 bis 23 Jahren in einem ein- bis zweijährigen Erziehungsprogramm auf ihre Entlassung aus dem Gefängnis vor. Es umfasst neben schulischer Bildung, Berufsfindung und sozialem Training auch die Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben. Leiter ist der Sozialpä-dagoge Tobias Merckle.