24.04.2013
Deutschland: Internationale Gartenschau
Hamburg: „Welt der Religionen“ In 80 Gärten um die Welt
(idea) „In 80 Gärten um die Welt“ (so das Motto) können Besucher bei der Internationalen Gartenschau in Hamburg reisen. Erstmals ist auch eine „Welt der Religionen“ zu besichtigen. Eröffnet wird die Super-Schau am 26. April von Bundespräsident Joachim Gauck. Was den Besucher bis zum 13. Oktober alles erwartet? Karsten Huhn war vor Ort.
Diese Gartenschau macht gute Laune! Auf der Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg laden 80 Gärten zum Müßiggang ein. Eine 17 Meter hohe Kletterwand lockt die Wagemutigen, ein Hochseilgarten die Artisten, und für Skater wurde eine Anlage gebaut, die so anspruchsvoll ist, dass der Veranstalter damit rechnet, „dass öfter mal ein Krankenwagen kommt“. Wer es ruhiger mag, kann sich in einer Hängematte lümmeln, auf einer Liegewiese schlummern oder das neu gebaute Schwimmbad besuchen. Es soll eine gigantische Gartenschau werden: Erwartet wird, dass sich etwa 2,5 Millionen Besucher die 100 Hektar umfassende Anlage (entspricht etwa 140 Fußballfeldern) anschauen werden. Sechs Kilometer lang ist der Rundweg vorbei an Teichen, Tümpeln und Kanälen. Täglich bis zum Einbruch der Dunkelheit kann der Besucher Wildwiesen, Blumenbeete, Heiden und Hecken bewundern. Sind die Füße müde gelaufen, kehrt man am besten zu einer Hopfenkaltschale im stillgelegten Wasserwerk ein, das nun als Restaurant dient. Wer gar nicht laufen mag, kann stattdessen mit der Gartenschaubahn fahren und den Park von oben genießen. 70 Millionen Euro hat der Gartenspaß gekostet. Und die Gartenbauarchitekten wollen es wirklich allen recht machen: Kinder können auf Spielplätzen toben, Jogger haben eigene Laufstrecken, Radler Fahrradwege. Die Anlage ist mit so viel Einfallsreichtum gestaltet, dass selbst Gartenmuffel ins Staunen kommen. Kurios: In den Park eingebettet sind zahlreiche Kleingärten. Ebenso ungewöhnlich: Eine Stadtautobahn durchschneidet die Anlage.
Alle Religionen gleichberechtigt nebeneinander
Nun aber schnell zur „Welt der Religionen“: Erstmals präsentieren sich auf einer so großen Gartenschau die fünf großen Weltreligionen – Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus – zusammen. Diese Präsenz von Fremdreligionen gab es bisher noch nie. Die Anlage atmet den Geist von Lessings „Ringparabel“, soll Respekt und Toleranz vermitteln. Im Zentrum steht ein Brunnen aus Naturstein und Edelstahl, denn Wasser als Quelle des Lebens spielt in allen Religionen eine Rolle. 5 Wege führen zum Brunnen, 5 Überläufe laufen aus der gemeinsamen Mitte, 5 Düsen bringen das Wasser wieder zurück. Ein kritischer Besucher mag in der Anlage die Tendenz zur Religionsvermischung erkennen. Der Weg des Islams führt vorbei an einem Halbmond aus gelb blühenden Azaleen, und der Besucher kann auf orientalischen Sitzkissen Platz nehmen. Im buddhistischen Garten steht ein Becken mit Lotusblüten und eine Buddha-Statue, die Hände zur Meditation gefaltet. Das ist auch nötig, denn anders wird man bei dem Lärm der angrenzenden Straße kaum zur Ruhe kommen. Der Hindu-Garten besteht aus drei verschlungenen Pfaden: dem Weg der Erkenntnis, dem Weg der Liebe und dem Weg der Taten. Sie sollen zur Befreiung aus dem materiellen Dasein führen. Der jüdische Garten lässt den Besucher an sieben Stationen die Schöpfung der Welt nacherleben.
7 Stationen auf dem christlichen Lebenspfad
Schließlich der christliche Lebenspfad, auch er besteht aus sieben Stationen. Insgesamt 200 ehrenamtliche „Lebenspfadfinder“ stehen für die Führung bereit. Am Beginn stehen ein Kreuz und Psalm 16,11: „Du zeigst mir den Pfad des Lebens.“ Unter drei Wasserbögen hindurch führt der Weg zu „Geburt und Taufe“. „Ich habe dich beim Namen gerufen, du bist mein“ – das Bibelwort aus Jesaja 43,1 lädt dazu ein, seinen Namen auf ein Tischtuch einzutragen und sich an seinen eigenen Taufspruch zu erinnern. Die Station Konfirmation bzw. Firmung lädt dazu ein, kletternd ein kleines Hindernis, als Symbol für die Schwierigkeiten der Jugend, zu überwinden. Es folgt die Abendmahlsstation: ein großer Tisch – umgeben von Weinstöcken –, dazu das Vaterunser, das in 80 Sprachen auf Glaswände eingelassen ist. Nummer 4 ist die Station „Ehe und Partnerschaft“. Rosen, Dornen, Scherben und Früchte erinnern an Freuden und Schwierigkeiten der Ehe. Es folgt „Tod und Auferstehung“: Ein enger Gang führt durch Eibenhecken. Wo geht es weiter? Plötzlich knickt der Weg links ab und man steht im Freien. „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Johannes 11, 25), heißt es dazu. Wer möchte, kann nun an einer Hoffnungsmauer Kerzen einstellen und in ein Buch sein Gebetsanliegen eintragen, für das bei den Gottesdiensten auf der Gartenschau gebetet wird. Bleibt noch die letzte Station „Segen und Salbung“. Hier kann man sich für den weiteren Lebensweg salben und segnen lassen. Auch diese Station endet mit einem Bibelwort. 1. Mose 12,2: „Ich will dich segnen, du sollst ein Segen sein.“