24.04.2013

Syrien: Bischöfe doch noch nicht frei

Wo sind die entführten orthodoxen Bischöfe?

Syrien: Bischöfe doch noch nicht frei

Wo sind die entführten orthodoxen Bischöfe?

Damaskus (idea) – In Syrien sind zwei hochrangige Kirchenführer am 22. April entführt worden. Angaben aus Syrien und Rom, dass die Geistlichen wieder freigelassen worden seien, wurden am Morgen des 24. April zurückgenommen. Dem britischen Nachrichtensender BBC zufolge berichteten Angehörige der beiden Bischöfe, nichts über deren Aufenthaltsort zu wissen. Auch der Bundesverband der Aramäer in Deutschland teilte mit, dass die Männer immer noch verschwunden seien. Es handelt sich um den syrisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo, Mor Gregorios Yohanna Ibrahim, und den griechisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo und İskenderun, Boulos Yazigi. Der Vorfall ereignete sich in einem von der oppositionellen Freien Syrischen Armee kontrollierten Gebiet. Die Geistlichen befanden sich auf dem Rückweg von Bab Al-Hawa an der Grenze zur Türkei nach Aleppo, als ihr Wagen von einer bewaffneten Gruppe gestoppt wurde. Der Fahrer wurde ermordet, während die Erzbischöfe unversehrt geblieben sein sollen. Unklar ist, wer für die Entführung verantwortlich ist. Nach Angaben des Aramäischen Weltrates mit Sitz in Schweden forderten die Kidnapper kein Lösegeld, sondern die Freilassung von Rebellen.

Eine ähnliche Situation wie im Irak

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Bundesverbandes der Aramäer, Daniyel Demir (Heidelberg), trifft die Entführung der beiden Erzbischöfe die in Syrien noch ausharrenden Christen „tief ins Mark“. Die Situation ähnele derjenigen im Irak, wo erpresserischer Menschenraub, brutale Hinrichtungen von Geistlichen und gezielte Entführungen zum fast vollendeten Exodus der aramäischen Christen geführt hätten. Laut Demir hat die wachsende Gewalt in Syrien einen religiösen Hintergrund. Am Widerstand gegen Staatschef Baschar al-Assad beteiligten sich zunehmend islamische Fundamentalisten und Dschihadisten, etwa die militante Al-Nusra-Front und andere Freischärler-Brigaden. Mit Hilfe „verbündeter“ Staaten wollten sie offenkundig einen islamistischen Gottesstaat errichten. Demir appelliert an die deutsche Bundesregierung, „die eigene Rolle in diesem Konflikt zu überdenken sowie eine militärische oder nichtmilitärische Unterstützung der Rebellen einzustellen oder im internationalen Kontext zu verhindern“.

Kauder: Schlag gegen die Christen in Syrien

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, bezeichnete die „feige Entführung der hohen Geistlichen“ als einen Schlag gegen die Christen in Syrien. Man beobachte die Entwicklung des syrischen Bürgerkrieges mit großer Sorge. Das Assad-Regime, aber auch die islamistischen Kämpfer führten ihre Auseinandersetzung „brutal und ohne Rücksicht auf die Menschen“. Dabei würden die syrischen Christen Opfer des Konfliktes, obwohl ihre geistigen Führer zu Friede und Vernunft aufriefen und junge Christen sich dem Wehrdienst entzögen. Kauder erinnert an das Leiden der Christen im Irak, „das viele der sich nun in Syrien abzeichnenden Züge trug“. Entführungen, gezielte Gewalt, Terrorakte und Erpressungen hätten zu einem Exodus der irakischen Christen geführt. Viele von ihnen lebten als staatenlose Flüchtlinge in Syrien. Nun drohe ihren Glaubensbrüdern und -schwestern dort das gleiche Schicksal. Von den 22,5 Millionen Einwohnern Syriens sind rund 90 Prozent Muslime. Orthodoxe und katholische Christen stellen jeweils drei Prozent der Bevölkerung; der protestantische Anteil beträgt 0,1 Prozent.