30.04.2013
Ägypten/Deutschland: Difäm unterstützt ägyptische Christen
Im Salam Medical Center lernen sich Christen und Muslime kennen
Ägypten/Deutschland: Difäm unterstützt ägyptische Christen
Im Salam Medical Center lernen sich Christen und Muslime kennen
Tübingen (idea) – Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm) in Tübingen will die humanitäre Arbeit von Christen in Ägypten unterstützen. Dies teilten die Direktorin, Gisela Schneider, und der Leiter des Salam Medical Centers in El-Qanatir (etwa 100 Kilometer nördlich von Kairo), der Arzt Freddy El-Baiady, am 29. April vor Journalisten in Tübingen mit. Die 1996 gegründete Klinik ist eine Einrichtung einer presbyterianischen Gemeinde. 35 Ärzte – Christen und Muslime – sind dort neben der Arbeit in ihren eigenen Praxen ehrenamtlich tätig. Sie behandelten im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Patienten – meist Muslime. Nach Ansicht von Schneider ist es für die Sicherheit der Klinik wichtig, mit einem ausländischen Partner zusammenzuarbeiten. Die Kooperation zeige, dass das Krankenhaus auch vom Ausland aus beobachtet werde.
Mit Liebe auf Gewalt reagieren
Laut El-Baiady ist die Klinik eine Reaktion auf Diskriminierung und Gewalt, denen die ägyptischen Christen ständig ausgesetzt seien. Seine presbyterianische Gemeinde mit 45 Mitgliedern habe beschlossen, „mit Liebe zu antworten“, berichtete der 41-jährige Radiologe. Mit einer Klinik könne man „den Mitmenschen dienen und praktisch zeigen, was der Glaube uns lehrt: Die, die uns hassen, zu lieben“. Da es den Christen in Ägypten nicht erlaubt sei, über ihren Glauben zu sprechen, hätten viele Muslime Vorurteile; ihr Wissen über das Christentum stamme meistens aus US-amerikanischen Filmen. Durch die gemeinsame Arbeit im Salam Medical Center lernten sich Christen und Muslime kennen, knüpften Freundschaften und erführen mehr über den Glauben des jeweils anderen.
Polizei schaut bei Angriffen auf Kirchen zu
Die Situation der Christen in Ägypten bezeichnete El-Baiady nach wie vor als schwierig. Sie würden nicht verfolgt, aber diskriminiert. Die Sicherheitslage habe sich besonders für Christen verschlechtert: „Die Polizei schaut zu, wenn Kirchen angegriffen werden, anstatt sie zu verteidigen.“ Viele Christen hätten das Land deshalb verlassen. Besser wäre es, so El-Baiady, wenn sie blieben, „um dem Land so viel zu geben, wie sie können, und dadurch mitzuhelfen, die Gesellschaft zu erneuern“. Deshalb engagiert sich der Arzt auch in der Politik: Im Januar 2013 wurde er als einer von zehn christlichen Vertretern von Präsident Mohammed Mursi in den Schura-Rat, das parlamentarische Oberhaus in Ägypten, berufen. Fast 90 Prozent der 270 Vertreter gehören zu den Muslimbrüdern oder Salafisten. El-Baiady zufolge bietet die Mitgliedschaft in diesem Gremium eine Chance, die Stimme der Christen hörbar zu machen. Momentan setze er sich für ein Gesetz gegen die Diskriminierung von Minderheiten und für Lizenzen zum Bau von Kirchengebäuden ein. Hoffnung mache ihm, dass die Popularität und Unterstützung der Muslimbrüder in der Gesellschaft abnehme. Die Bevölkerung entdecke, dass sie ihre Versprechen nicht halten könnten. Unter den rund 83 Millionen mehrheitlich muslimischen Einwohnern Ägyptens bildet die koptische Kirche mit schätzungsweise bis zu zehn Millionen Mitgliedern die größte religiöse Minderheit. Hinzu kommen etwa 200.000 Katholiken, 40.000 Griechisch-Orthodoxe und 30.000 Protestanten.