11.12.2013

Ukraine: Evangelische Kirche im Zentrum der Proteste

Katharina-Gemeinde bietet Demonstranten und Polizisten einen Schutzraum

Ukraine: Evangelische Kirche im Zentrum der Proteste

Katharina-Gemeinde bietet Demonstranten und Polizisten einen Schutzraum

Kiew (idea) – In der Ukraine spitzt sich die politische Lage zu. In der Nacht zum 11. Dezember gingen Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz in der Hauptstadt Kiew vor und zerstörten Barrikaden und Zelte. In unmittelbarer Nähe befindet sich die St.-Katharina-Kirche der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Ukraine. Sie setzt sich für eine friedliche Lösung des Konflikts ein und bietet Demonstranten wie Polizisten einen Schutz- und Gebetsraum. Auslöser für die seit 18 Tagen anhaltenden Massenproteste war, dass die Regierung unter Präsident Viktor Janukowitsch ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union (EU) im letzten Moment zugunsten Russlands platzen ließ. Die Oppositionellen unter Anführung von Boxweltmeister Vitali Klitschko fordern den Rücktritt der Regierung, die Freilassung festgenommener Demonstranten und die Bestrafung brutaler Sicherheitskräfte. Anhänger der Vaterlandspartei verlangen zudem die Freilassung der inhaftierten früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko.

Getränke und Essen für Demonstranten und Polizisten

Wie die Katharina-Kirche mitteilt, befinden sich inzwischen über eine halbe Million Menschen auf den winterlich kalten Straßen Kiews. Sie träten ein für Gewaltlosigkeit, Menschenwürde, Transparenz und die Annäherung der Ukraine an Europa. Sie forderten ferner „die Abdankung all jener korrupten Regierungsbeamten, die sich nicht anders zu helfen wussten, als den eigenen Bürgern Gewalt anzutun“. Christen seien dem Gebot der Nächstenliebe verpflichtet und träten für Frieden und Gewaltlosigkeit ein. Der Kirchgemeinderat sowie junge Erwachsene der Gemeinde um Jugenddiakon Igor Schemigon versorgten Demonstranten und Polizisten mit heißen Getränken, Essen und Strom für Handy-Akkus. Soweit möglich werde auch medizinische Hilfe angeboten. Erschöpfte Menschen könnten in der beheizten Kirche ausruhen und beten. Zwar sei die Kirche von Fahrzeugen der Sonderpolizei umstellt, doch seien bisher alle Personen durchgelassen worden. Mit dem Jesuswort „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen“, schließt Gemeindepastor Ralf Haska seinen Aufruf, der auch mit einer Bitte um Spenden verbunden ist.

Kirchen rufen zu Friedensgebeten auf

Zum Gebet um Frieden ruft auch der Rat der Evangelisch-Protestantischen Kirchen in der Ukraine auf. In einem Offenen Brief heißt es, man verurteile die brutale Gewaltanwendung gegenüber friedlichen Demonstranten ebenso wie Provokationen von Seiten der Opposition, die auf gewaltsame Zusammenstöße zielten. Unterzeichnet ist der Brief von den Siebenten-Tags-Adventisten, den Evangeliumschristen-Baptisten, Lutheranern, Pfingstlern und weiteren freien Gemeindeverbänden. Die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche besteht aus 30 Gemeinden mit etwa 3.000 Mitgliedern. Von den 45,6 Millionen Ukrainern gehören etwa 75 Prozent der orthodoxen Kirche an. Mit knapp 131.000 Mitgliedern bilden die Baptisten die größte evangelische Gemeinschaft.