20.12.2013
Weltweit: Kurz vor Weihnachten: Christen leiden
Nigeria, Nordkorea, Ägypten: Rund um den Globus verbringen Christen Weihnachten in Angst. Eine Übersicht
Weltweit: Kurz vor Weihnachten: Christen leiden
Nigeria, Nordkorea, Ägypten: Rund um den Globus verbringen Christen Weihnachten in Angst. Eine Übersicht
Nordkorea: Straflager für Bibelbesitz
Nordkoreaner, die von der Staatsideologie Juche abweichen, leben gefährlich. Das gilt auch für Christen. Im Weltverfolgungsindex 2013 des Hilfswerks „Open Doors“ belegt Nordkorea zum elften Mal in Folge den ersten Platz. Flüchtlinge erzählen, das Bekenntnis zum Christentum und der Besitz einer Bibel reiche als Grund für eine Verhaftung. Allerdings gibt es keine genauen Angaben über die Verbreitung unabhängiger Christen-Gemeinden. Laut Koreanischem Christenbund KCF, der fest im herrschenden System verankert ist, leben etwa 14 000 Christen in dem Land. Beobachter im Ausland gehen von weit höheren Zahlen aus - nach einigen Schätzungen sind es mehr als 400.000 gläubige Christen.
Syrien: Viele Christen haben die Hoffnung aufgegeben
Die Christen haben den syrischen Bürgerkrieg nicht angezettelt, trotzdem sind sie von seinen Folgen besonders stark betroffen. Denn obwohl die meisten Christen versucht haben, sich aus dem blutigen Konflikt zwischen dem Regime und der Opposition herauszuhalten, werden sie angefeindet und unter Druck gesetzt. Aktivisten schätzen, dass bereits etwa 40 Prozent der Christen geflohen sind, in die Nachbarstaaten und nach Europa. Mehr als 10.000 armenische Christen haben in Armenien Zuflucht gefunden. Viele der Flüchtlinge lebten zuletzt in Gebieten, die von islamistischen Rebellen kontrolliert werden. Die Christen stellten bislang etwa zehn Prozent der Bevölkerung Syriens.
Türkei: Christen hoffen auf Europa
In der Türkei, deren Landstriche einst Keimzelle und Kernland des Christentums waren, sind Christen heute eine kleine Minderheit. Viele der wohl nur noch etwa 100.000 Menschen beklagen, dass der Staat ihren Religionsgemeinschaften keine volle rechtliche Gleichstellung mit der muslimischen Mehrheit gibt oder sie im Alltag Diskriminierung erlebt haben. Nach einer Serie tödlicher Anschläge vor einigen Jahren ist direkte Verfolgung aber eine Ausnahme. Die Bedrohungen geht vor allem von fanatischen türkischen Nationalisten aus. Das erklärt, warum sich die Lage unter der islamisch-konservativen AKP trotz islamistischer Wurzeln führender Politiker insgesamt verbessert hat. Viele Christen in der Türkei hoffen auf die weitere Annäherung ihres Landes an Europa.
Ägypten: Diskriminierung - aber auch Aufatmen über neue Verfassung
Die christliche Minderheit in Ägypten gehört zu den Gewinnern des Machtwechsels in Kairo. Zwar hatten Extremisten im vergangenen August während der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten der Muslimbrüder mehrere Kirchen und christliche Schulen verwüstet. Doch in dem später verabschiedeten Entwurf für eine neue Verfassung sind die Rechte der Christen stärker verankert als in der Verfassung, die 2012 unter dem islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi beschlossen worden war. Die Christen klagen dennoch weiterhin über Diskriminierung. Besonders auf dem Land kommt es immer wieder zu Angriffen auf christliche Einrichtungen und Wohnhäuser, sobald ein privater oder geschäftlicher Streit zwischen einem Muslim und einem Christen eskaliert. Knapp zehn Prozent der Ägypter sind Christen. Die meisten von ihnen gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an.
Irak: Neue Terrorwelle trifft auch die Christen
„Wir sind die ursprünglichen Einwohner dieses Landes, wir dürfen den Irak nicht verlassen“, lautet die Botschaft der Bischöfe im Zweistromland. Doch nicht alle Gemeindemitglieder reagieren auf dies Appelle. Viele irakische Christen sind nicht länger bereit, den Terror islamistischer Extremisten zu ertragen, der in diesem Jahr wieder zugenommen hat. Als 2003 die von den USA angeführte Invasion des Irak begann, lebten an Euphrat und Tigris noch etwa 1,5 Millionen Christen. Heute sind es nur noch rund 300.000. Die Chaldäer und die Assyrer sind die größten christlichen Glaubensgemeinschaften. Vor allem die Gemeinden in Basra und Bagdad sind seit 2003 stark geschrumpft. Volle Kirchen findet man fast nur noch im nördlichen Autonomiegebiet der Kurden.
Pakistan: Massaker an Christen
Auf Christen in Pakistan wurde in diesem Jahr der bislang schwerste Anschlag gegen die Minderheit in der Geschichte des Landes verübt. Zwei Selbstmordattentäter rissen an einer Kirche in Peshawar nach offiziellen Angaben 86 Menschen mit in den Tod. In der Gemeinde ist von mehr als 150 Opfern die Rede. Zwar werden Christen im mehrheitlich islamischen Pakistan oft zur Zielscheibe meist absurder Blasphemievorwürfe, in deren Folge auch Menschen getötet werden. Massaker an Christen wie in Peshawar hat es vorher aber nicht gegeben. Nicht-Muslime – darunter Christen und Hindus – stellen weniger als fünf Prozent der rund 180 Millionen Pakistaner.
China: Lage verbessert
Die Situation der Christen in China hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Das christliche Hilfswerk Open Doors bescheinigte Peking Fortschritte für die auf 80 Millionen geschätzten Christen im Land. Trotzdem ist die staatlich garantierte Religionsfreiheit weiterhin eingeschränkt. Peking schreibt etwa vor, dass sich Protestanten in der sogenannten Drei-Selbst-Patriotischen-Kirche und Katholiken in der Katholisch-Patriotischen Vereinigung registrieren müssen. Wer die Staatskirchen ablehnt, dem bleiben nur geheime Hausgemeinden und der Untergrund.
Nigeria: Christenverfolgung gehört zum Alltag
Die islamistische Sekte Boko Haram hat auch 2103 den Kampf für einen islamischen Staat und gegen die Christen fortgesetzt. Es gab zwar keine großen Anschläge auf Kirchen wie 2012, aber viele kleine Übergriffe, bei denen es zahlreiche Tote und Verletzte gab. Im September wurde ein Pfarrer und seine zwei Kinder in einer Kirche in Yobe erschossen. Vor allem im islamischen Norden werden Christen drangsaliert und unterdrückt, Zehntausende Christen sind in den Süden geflohen. Kinder werden zu Islamunterricht gezwungen, Mädchen zwangsweise verheiratet und islamisiert. (dpa/pro)