21.12.2013
Deutschland: Kirchenleiter: Solidarität mit Flüchtlingen
Dessau/Dresden/Stuttgart (idea) – Die Solidarität mit Ausgegrenzten und Flüchtlingen rücken evangelische Kirchenleiter in den Mittelpunkt ihrer Weihnachtsbotschaften. „Im zu Ende gehenden Jahr 2013 wurden wir besonders deutlich daran erinnert, wie groß die Wohlstandsunterschiede in unserer Welt sind“, schreibt der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig (Dessau). Vielen stünden noch die Bilder vor Augen von Menschen, die auf dem Weg nach Europa ertrinken. Verzweifelt hätten sie ihre Heimat verlassen, um in Europa für sich und ihre Familien eine Zukunft zu finden. Auch die Weihnachtsgeschichte sei „die Geschichte der Flucht einer Familie“. Liebig: „Wer also Weihnachten feiert, sich zu Recht an der Geschichte freut, kann die aktuellen Bilder nicht vergessen.“ Gerade weil die Geschichte Gottes mit den Menschen mit einer Flucht beginne, dürften Flüchtlinge Christen nicht egal sein. Darum würden die Kirchen auch im neuen Jahr nicht müde werden, für die Sprachlosen zu sprechen.
Aufnahme von Flüchtlingen nicht nur ein „bindendes Gebot der Barmherzigkeit“
Die Aufnahme von Flüchtlingen an der Südgrenze Europas, aber auch in Deutschland sei nicht nur ein „bindendes Gebot der Barmherzigkeit“, so Liebig. Europa werde seinen Wohlstand nicht bewahren können, indem es Grenzen einfach schließe: „Es liegt in einer weltweit verbundenen Wirtschaft in unserem eigenen Interesse, das Wohlstandsgefälle zu verringern und dazu auch in geordneter Weise Menschen zu uns kommen zu lassen.“ Gerade die mitteldeutsche Region sei seit Jahrhunderten ein Beispiel für Integrationsfähigkeit und daraus wachsenden wirtschaftlichen Erfolg. Das Kind in der Krippe gefühlvoll zu vereinnahmen, ohne sich diesen Fragen zu stellen, sei unmöglich.
Bohl: Wir werden nicht alle aufnehmen können, aber...
Auch der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens geht in seinem Weihnachtsbrief an Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter auf die Lage der Flüchtlinge ein. Ihre Situation verlange nach einer Asylpolitik, „die dem Maßstab der Mitmenschlichkeit entspricht“. Gebraucht werde eine entschlossene und konzentrierte Hilfe für Afrika. Bohl: „Wir werden nicht alle aufnehmen können, die nach Europa kommen wollen; aber darüber darf es nicht zu Unmenschlichkeit kommen. Was für eine Schande, wenn ein Staat seinen Bürgern verbieten will, schiffbrüchigen beizustehen.“
July: Weihnachten ist ein Fest wider die Angst
Für den Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July (Stuttgart), ist Weihnachten „ein Fest wider die Angst“. Die zentrale Botschaft sei die des Engels: „Fürchtet euch nicht“, schreibt er. Es gehe um eine Zeitenwende, ab der Menschen keine Angst mehr zu haben bräuchten. „Das Kind im Stall von Bethlehem schenkt uns Leben inmitten unserer Ängste, in denen wir uns befinden.“ Diese Botschaft gelte nicht nur der Christenheit, sondern allen Menschen, schreibt July. „Und zu ‚allem Volk’ gehören auch die, die als Flüchtlingen darauf warten, bei uns eine Heimat zu finden. Und die, die in Ländern ohne Religionsfreiheit leben oder tägliche Gewalt erfahren, wo Krieg und Unterdrückung und mit ihnen Furcht und Angst herrschen.“