21.12.2013

Turkmenistan: „Von Gott singen ist hier verboten“

Wehrdienstverweigerer in der Haft misshandelt

Turkmenistan: „Von Gott singen ist hier verboten“

Wehrdienstverweigerer in der Haft misshandelt

Die Polizei und Beamte der Geheimpolizei MSS haben Razzien in zwei Wohnungen von Mitgliedern der christlichen Gemeinschaft Licht des Ostens in Daschoguz in Turkmenistan vorgenommen. Dabei wurde religiöse Literatur, darunter auch persönliche Bibeln, beschlagnahmt. Einem Mitglied der Gemeinde wurde eine Haftstrafe von 15 Tagen und die Abschiebung angedroht, obwohl der Betroffene turkmenischer Staatsbürger ist. Bei einer Razzia während einer Probe für den Gottesdienst am darauffolgenden Sonntag erklärten Beamte „Von Gott singen ist hier verboten“. Der Gemeinde wurde auch angedroht, sie könnte ihre staatliche Registrierung verlieren, wodurch sie in die Illegalität gedrängt würde. Ein Staatsbeamter für religiöse Angelegenheiten, der gleichzeitig Imam ist, erklärte gegenüber dem Pastor der Gemeinde Juri Rozmetov, der christliche Glaube sei „falsch“ und übte Druck auf ihn aus, zum Islam zu konvertieren.

Generell werden derzeit höhere Geldstrafen als früher gegen Einzelpersonen und Gemeinschaften verhängt, wie ihr Recht auf Religionsfreiheit ausüben. Der Staat beschränkt weiterhin die Zahl der Muslime des Landes, die jährlich zur Hadsch zugelassen werden, auf 188 Personen, wobei die Geheimpolizisten der MSS, die die Pilger nach Mekka begleiten, bereits mit eingerechnet sind.

Auch gegen Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen gehen die turkmenischen Behörden mit unverminderter Härte vor. Am 18. November wurde der Zeuge Jehovas Suhrab Rahmanberdiyyev wegen Wehrdienstverweigerung zu 18 Monaten Haft verurteilt. Laut Angaben der Mutter des 18-jährigen wurde er in der Haft auch geschlagen, als er sich weigerte, sich als Muslim zu bezeichnen. Er ist der insgesamt neunte bekannte Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen, der sich in Turkmenistan in Haft befindet. Sieben dieser neun Gefangenen, sowie einige ehemalige Gefangene, die wegen Wehrdienstverweigerung in Haft waren, haben sich mit Protesten gegen ihre Kerkerstrafen und Misshandlung an den UN-Menschenrechtsrat gewandt. Insbesondere im Arbeitslager Seydi, wo die meisten Wehrdienstverweigerer festgehalten werden, werden die Gefangenen häufig in die sogenannte Strafzelle eingeschlossen und einige von ihnen wurden brutal geschlagen, heißt es in den Beschwerden an den Menschenrechtsrat.

Quelle: Forum 18, Oslo

Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA