02.07.2013

Deutschland: Kritik an Umgang mit Asylbewerbern

Landesbischof Bedford-Strohm äußert Verständnis für Flüchtlingsprotest in Bayern

Deutschland: Kritik an Umgang mit Asylbewerbern

Landesbischof Bedford-Strohm äußert Verständnis für Flüchtlingsprotest in Bayern

München (idea) – Nach dem Polizeieinsatz gegen hungerstreikende Flüchtlinge in München haben evangelische Kirchenvertreter den Umgang mit Asylbewerbern kritisiert. Die Polizei hatte ein Zeltlager in der Innenstadt am 30. Juni geräumt, mit dem rund 50 Asylbewerber – vor allem aus dem Iran, Afghanistan, Äthiopien, Syrien und Sierra Leone – gegen ihre Lebensbedingungen protestierten. Insbesondere wollten sie die Anerkennung ihrer Asylanträge erzwingen. Nach mehr als einer Woche Hungerstreik seien fünf Personen bereits so geschwächt gewesen, dass sie nach einer ärztlichen Untersuchung in einem Krankenhaus bleiben mussten, berichteten der bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) vor Journalisten. Laut Herrmann ist Erpressung ein „völlig indiskutables Mittel, um Asylrecht zu erhalten“. Der Minister bezeichnete den Sprecher der Flüchtlinge, Ashkan Khorasani, als „radikalen, kompromisslosen Rädelsführer“ und verwies darauf, dass er im Iran als Kommunist verfolgt worden sei.

Bewährungsfeld für den Glauben

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm (München), äußerte Verständnis für die Asylbewerber. Sie empfänden ihre Lebensbedingungen als so unerträglich, dass sie dafür ihr Leben riskierten, sagte er beim Brüdertag der Rummelsberger Diakone am 30. Juni. Von einem christlichen Land, „das diesen Namen verdient“, erwarte er, alles zu tun, um bedrängten Menschen Zuflucht zu ermöglichen. Das Engagement für Asylbewerber nannte der Bischof ein Bewährungsfeld für den Glauben.

Christen sollen Asylbewerber verstehen

Beim Jahresempfang des Diakonischen Werks Bayern am 1. Juli in Augsburg appellierte Bedford-Strohm an die Kirchenmitglieder, Asylbewerber zu verstehen. Sie hätten „das Traumbild von einem Land, das ihnen endlich persönliche Freiheit schafft“, und erlebten lauter Einschränkungen. Sie dürften nicht arbeiten und bekämen keinen Kontakt zur deutschen Bevölkerung, weil sie in einer entlegenen Sammelunterkunft untergebracht seien. Bedford-Strohm forderte eine menschenwürdige Unterbringung für die Flüchtlinge und ein faires Asylverfahren.

„Kein Mensch ist illegal“

Auch die Innere Mission München verlangt „eine deutliche Verbesserung der Situation in den Flüchtlingsunterkünften“. Nach Ansicht der Leiterin des Sozialdienstes für Flüchtlinge, Lisa Ramzews, sollten sie „in Zwei-Bett-Zimmern in kleineren Einheiten“ statt in großen Unterkünften untergebracht werden. Als Alternative zu Essenspaketen sollten sie die Möglichkeit haben, auf Gutschein- oder Punktebasis einzukaufen. Das sei kostengünstiger und gebe den Menschen ihre Würde zurück. „Kein Mensch ist illegal, und so sollten wir die Menschen auch behandeln“, so Ramzews.