03.07.2013
Ägypten: Mehr als 80 Prozent gegen den Präsidenten
Kairo ( Fidesdienst)- “Mehr als 80 % der Ägypter lehnen Präsident Morsi ab. Es ist nicht wahr, wie ein Teil der westlichen Presse behauptet, dass Ägypten in zwei Hälften geteilt sei zwischen Befürwortern und Gegnern des Staatsoberhaupts“, erklärt P. Rafic Greiche dem Fidesdienst gegenüber. P. Greiche ist der Verantwortliche für Kommunikation für die katholischen Bischäfe Ägyptens. „Die Mehrheit der Ägypter, Muslims wie Christen, Reiche wie Arme, westlich gekleidete Mädchen wie solche mit dem Nijab – alle sind auf den Platz gegangen, weil sie alle gegen diese Regierung sind. Auch diejenigen, die sie gewählt hatten und es inzwischen bereut haben“ Selbst die Muslim-Brüder, aus deren Reihen der Präsident kommt, sind zerstritten; darüberhinaus gibt es Konflikte zwischen der Bruderschaft und den Salafiten-Gruppierungen, wie der al Nour-Partei, die den Volksaufstand unterstützt.“
Am gestrigen 1. Juli haben die Streitkräfte den politischen Kräften ein Ultimatum von 48 Stunden gesetzt, um die Situation zu klären, die seit Wochen das ganze Land paralysiert; das Militär will den Protestsaktionen entgegenkommen und wird eine road map aufstellen, der sich in Zukunft niemand wird widersetzen können.
Nach dieser Ankündigung des Militärs „ist die Stimmung der Leute gut“, berichtet P. Greiche, „obwohl man natürlich befürchtet, dass die Gewaltakte der vergangenen Tage wieder aufflammen könnten, die ungefähr 15 Tote und 600 Verwundete gefordert habe.“ „Aber all dies ist außerhalb Kairos geschehen“, präzisiert der Geistliche, der sich zuversichtlich zeigt:“ Ich glaube, dass das Herr stark genug ist und keine weiteren Gewaltakte dulden wird.“
Nach P. Greiche ist der Grund für den Volksprotest „die Enttäuschung der Bevölkerung über die zunehmende Verschlechterung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Lage. Es gibt kein Benzin, die Nahrungsmittel sind knapp, ständig sind Elektrizität und Wasser unterbrochen....Dinge, die früher, zu Zeiten Mubaraks, nicht vorkamen. Es mangelt an Sicherheit in den Städten; die Jihadisten haben freie Hand auf der Sinai-Halbinsel, wo sie tun können, was sie wollen. Und schließlich ist eine Verfassung verabschiedet worden, die niemand will.“
„Sehen wir, was in den nächsten Stunden passiert. Betet für Ägypten“, schließt der Geistliche seinen Bericht. (L.M.)
Warten auf die Reaktion des Heeres. Die Kriche könnte in die Pläne zur Beilegung der Krise einbezogen werden
Minya (Fidesdienst) – Nach der Rede von Präsident Morsi – der am Abend des 2. Juli seine feste Absicht bis zum Mandatsende in seinem durch demokratische Wahlen bestimmten Amt zu bleiben bestätigt hat - „ist das Volk enttäuscht , fürchtet den Ausbruch einer Gewaltserie und erwartet nun den Schritt, den das Heer nach Ablauf des 48stündigen Ultimatums unternehmen wird, das es der Regierung gestellt hatte. Das Ultimatum läuft heute Nachmittag ab.“ So beschreibt der koptisch-katholische Bischof von Minza, Fahim Awad Hanna, dem Fidesdienst gegenüber das Klima der Unsicherheit und Besorgnis, das in diesen Stunden über dem ganzen Land lastet, in einer gesellschaftspolitischen Krise, die in einen Bürgerkrieg auszuarten droht. Die Zusammenstöße zwischen den Millionen anti-Morsi-Demonstranten und den den pro-Regierungs-Gruppen, die an die Muslim-Brüderschaft gebunden sind, haben bereits mehr als 10 Tote und Hunderte von Verletzten gefordert. Anba Hanna bestätigte, dass „in den in diesen Tagen zirkulierenden Plänen zur Organisation der Transitionsphase nach einer möglichen Machtaufgabe seitens Morsi hofft manch einer, dass auch die Universität Al Azhar und Vertreter der koptischen Kirche einebzogen werden, das sie zu einer ausgewogenen Lösung der Krise beitragen könnten:“ Der koptische Bischof von Minya schränkt auch den Alarm über Fälle von sexueller Gewalt drastisch ein, die sich auf dem Tahrir-Platz und an anderen Demonstrationspunkten ereignet haben sollen: „Das sind aufgeblähte Berichte. Es gab ein oder zwei Fälle. Das Gerücht über zig Fälle von Gewaltanwendung gegen Frauen auf den revoltierenden Plätzen stammt immert aus regierungsnahen Quellen und Aus den Reihen der Muslimbrüder, die im Westen unkritisch übernommen werden. Es handelt sich um eine Verleumdungskampagne, um das Bild der Millionen Demonstranten zu beschmutzen, die in diesen Tagen sich mit einem ganz präszisen Ziel aufgelehnt haben: ihren Missmut über die Regierung zum Ausdruc k zu bringen und Präsident Morsis Rücktritt zu fordern.“(GV)