04.07.2013
Ägypten: Repressalien gegenüber den Christen
Minya ( Fidesdienst) – Zu den Gewalttaten nach der Absetzung von Präsident Morsi gehört auch ein Angriff auf die koptisch-katholische Gemeinde von St.Georg im Dorf Delgia, 60km von Minya entfernt. Am Mittwochabend (3. Juli) haben fanatische Islamisten-Gruppen zunächst das Pfarrhaus und die Gemeinderäume geplündert und dann angezündet. „Gott sei Dank, dass es keine Todesopfer oder Verletzte gegeben hat“, berichtet der koptisch-katholische Bischof von Minya, Botros Fahim Awad Hanna, Fides gegenüber, „aber wir sind weiterhin alarmiert. Die Integralisten haben die Dorfstraßen gesperrt. Sie brüllen Slogans gegen die Christen; sagen, wie wollten Alles zerstören, und gerade in diesem Stunden versuchen sie erneut die Kirche anzugreifen. Die Lokal-Polizei ist machtlos dagegen; ich habe in Kairo anrufen, damit die Armee eingreife.“
Der Angriff auf die Gemeinde von St. Georg ist bislang der schwerste Gewaltakt gegen die Christen in diesen dramatischen Stunden. Aber Drohungen gegen christliche Gemeinden werden auch aus anderen ägyptischen Orten gemeldet. (GV)
Patriarch Sidrak: Das ägyptische Volk hat sich sein Land wieder genommen
Il Cairo ( Fidesdienst) - “Seit gestern feiern wir. Wir haben nicht geschlafen. Das ägyptische Volk hat sich sein Land friedlich wieder genommen. Und es hat damit der Welt gezeigt, dass es ein zivilisiertes Volk ist trotz aller großen Probleme, mit denen es sich auseinandersetzen muss.“ So beschreibt der Patriarch der koptischen Katholiken von Alessandria, Ibrahim Isaac Sidrak , die Atmosphäre im Land, wie er sie empfindet, nach der Absetzung von Präsident Morsi seitens der Armee und das traumatische Ende der von Muslimbrüdern bestimmten Regierung. Das Oberhaupt der koptisch-katholischen Kirche erklärt seine Zustimmung zu der vorgeschlagenen road map, um aus der Krise herauszufinden und das Land zu stabilisieren: „Verschiedene Anzeichen“ - erklärt Seine Seligkeit – deuten darauf hin, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Fehler vom letzten Mal werden sich nicht wiederholen, als man in der Euphorie über das Ende der Politik Mubaraks den Rest aus den Augen verloren hatte und Vieles im Unklaren geblieben war. Dieses Mal sind die Schritte gut vorbereitet; heute wird der neue, vorläufige Präsident, Adly Mansour, vereidigt, und allmählich wird man dann zur völligen Wiederherstellung der demokratischen Ordnung zurückfinden.“ Dem Patriarch entgehen aber auch die Probleme nicht: „Wir können nicht sagen, dass wir keine Angst hätten. Die wirtschaftliche Situation ist besorgniserregend und macht Alle viel anfälliger für die Manipulationen der Propaganda-Verführer. Die militanten Unterstützer Morsis fühlen, dass sie verloren haben, und da können Rachegefühle einsetzen. Wir müssen sie davon überzeugen, dass es im Land auch Platz für sie gibt, dass niemand sie ablehnt; aber sie müssen sich als Ägypter verhalten, als Mitbürger aller Ägypter und es nicht darauf ansetzen ein religiösen Despotismus einführen zu wollen.“ Laut S.B. Sidrak „hat das Volk ein schwarzes Jahr durchlebt und wird nicht zu einer Rückkehr bereit sein. Doch wenigstens 5 Mio Bürger werden auch weiterhin die radikalen Überzeugungen der Musklimbrüder unterstützen. Sie dürfen nicht von der Politik ausgeschlossen werden, aber sie müssen sich wie eine politische Partei benehmen und nicht zum Instrument für die Durchsetzung einer religiösen Hegemonie werden. Jeder kann seinen eigenen Glauben leben, in der Moschee oder in der Kirche, ohne den anderen seine religiösen Regeln auzuerlegen.“ (GV)