22.07.2013
Marokko: «Abtrünnige» müssen sterben
99 % der marokkanischen Bevölkerung sind muslimisch. Nichtmuslime werden hart bedrängt, insbesondere wenn sie aus muslimisch Familien stammen. Nach einem religiösen Gutachten verdienen sie den Tod. Sie sind auf die Fürsprache des Königs angewiesen.
Das harte Vorgehen gegen Nichtmuslime erscheint vor dem Hintergrund der religiösen Situation in Marokko absurd: 99 % der über 30 Millionen Einwohner gelten als (sunnitische) Muslime.
Fatwa: Tod für Apostasie
Im April 2013 sorgte eine Fatwa (islamisches Gutachten) für große Verunsicherung. Der Hohe Rat der Religionsgelehrten (Ulema) erklärte öffentlich, dass Apostaten mit dem Tod bestraft werden müssten. Nun wird zwar häufig vertreten, dass der «Abfall» vom muslimischen Glauben gemäß Scharia die Todesstrafe nach sich zieht. Heute werden jedoch selbst in streng islamischen Ländern kaum Apostaten hingerichtet; wenn auch immer wieder Todesurteile gefällt werden, werden sie doch meistens nicht vollstreckt. Rechtlich ist die Fatwa auch nicht verbindlich – der Hohe Rat hat nur beratende Funktion –, so dass im Moment niemand befürchten muss, wegen Glaubenswechsels zum Tod verurteilt zu werden.
Dennoch ist der scharfe Ton der Fatwa sehr beunruhigend. Der Hohe Rat der Religionsgelehrten ist die höchste religiöse Autorität in Marokko. Dessen Gutachten haben eine starke Signalwirkung und beeinflussen Gesellschaft ebenso wie Behörden. Die Fatwa ebnet einer zunehmenden Verfolgung die Bahn. Ein marokkanischer Konvertit, der in der Hauskirchenbewegung in Marrakesch aktiv ist, berichtet bereits jetzt von stärkerer Überwachung durch die Geheimpolizei. Die Christen fühlen sich bedroht und schutzlos.
Wer sich vom Islam abwendet, hat es schwer; der Christ Jamaa Ait Bakrim muss sieben Jahre Gefängnis absitzen.
König könnte gegensteuern
Der König könnte hier gegensteuern. Wir fordern ihn auf, sich öffentlich hinter seine nichtmuslimischen Staatsbürger zu stellen und in seiner Rede zum Ende des Fastenmonats Ramadan zu betonen, dass auch sie loyale Bürger Marokkos sein können.
Autor: Max-Peter Stüssi aus http://www.csi-de.de/marokko2.php vom 4.7.13
Quellen: Morocco News Tribune | Morning Star News | International Religious Freedom Report