28.07.2013
Iran: Christenverfolgung wird anhalten
Religionsfreiheit: Der neue iranische Präsident ist kein Reformer
Iran: Christenverfolgung wird anhalten
Religionsfreiheit: Der neue iranische Präsident ist kein Reformer
Teheran (idea) – Im Iran werden weiterhin Christen verfolgt werden, obwohl der als Reformer geltende neue Staatspräsident Hassan Rohani am 3. August sein Amt antritt. Davon ist die evangelikale Expertin für Religionsfreiheit Elizabeth Kendal (Melbourne/Australien) überzeugt. Der 64 Jahre alte muslimische Geistliche Rohani wurde am 14. Juni zum Nachfolger von Mahmud Ahmadinedschad gewählt. An der Lage der Religionsfreiheit in der Islamischen Republik ändere sich deshalb nichts, betont Kendal in ihrem jüngsten Gebetsrundbrief. Der neue Präsident sei weder gemäßigt noch ein Reformer, obwohl er in der Weltpresse so charakterisiert werde. Er sei auch kein „Konterrevolutionär“, sondern stehe dem Obersten Rechtsgelehrten Ayatollah Ali Chamenei nahe, der die wahre Macht im Iran ausübe.
Christen wegen Gefährdung der Sicherheit verurteilt
Kendal weist darauf hin, dass zahlreiche Christen aus Glaubensgründen verurteilt und ins Gefängnis gesteckt wurden. Freiheitsstrafen zwischen einem und sechs Jahren wurden im Juli gegen acht Christen verhängt, die bei einer Gebetsversammlung in der zentraliranischen Stadt Schiras verhaftet worden waren. Sie wurden für schuldig befunden, die nationale Sicherheit gefährdet und Propaganda verbreitet zu haben. Die Verurteilten Mohammed Roghangir, Massoud Rezale, Mehdi Ameruni, Bijan Farokhpour Haghighi, Shahin Lahooti, Suroush Saraie, Eskandar Rezale und Roxana Forughi wollen gegen das Urteil Berufung einlegen. Der Nationalrat der Kirche Irans erklärte, die Anklagevorwürfe entbehrten jeder Grundlage.
Christ warb angeblich für „christlichen Zionismus“
Anfang Juli wurde ferner der ehemalige Muslim Ebrahim Firouzi angeklagt, für „christlichen Zionismus“ geworben zu haben. Außerdem habe er versucht, eine christliche Internetseite zu starten, hieß es bei dem Prozess vor dem Revolutionsgericht in Robat Karim nahe Teheran. Ebenfalls Anfang Juli schlossen die Behörden die pfingstkirchliche „Versammlung Gottes“ in Teheran. Dort wurden Gottesdienste in der iranischen Hauptsprache Farsi abgehalten. Im Juni wurde der ehemalige Muslim Mustafa Bordbar (27) vor Gericht der Teilnahme an „illegalen Versammlungen“ einer Hauskirche beschuldigt. Er war ursprünglich im Dezember bei einer Weihnachtsfeier mit Freunden festgenommen worden. Ihm drohen zwischen zwei und zehn Jahren Haft.
Iranisch-amerikanischer Pastor 300 Tage in Haft
Am 23. Juli verlebte Pastor Saeed Abedini seinen 300. Tag im Gefängnis. Der 33-Jährige, der auch US-Staatsbürger ist, wurde wegen „Gründung von Hauskirchen, die die nationale Sicherheit untergraben“ zu acht Jahren Haft verurteilt. Abedini war ursprünglich radikaler Muslim, trat aber im Jahr 2000 zum Christentum über. Er gründete Hausgemeinden, die an 30 Orten mehr als 2.000 Mitglieder haben sollen. Der Vater von zwei Kindern sitzt im berüchtigten Evin-Gefängnis von Teheran und wird dort nach eigenen Angaben gefoltert. Man habe ihm gesagt, er würde für seinen christlichen Glauben gehenkt werden. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea hatten ihn zum „Gefangenen des Monats Juni“ benannt und zu seiner Unterstützung aufgerufen.
Gegen Verfolgung von Christen und Homosexuellen
Die Hamburger Ortsgruppe der IGFM will am 3. August für Religionsfreiheit und Menschenrechte im Iran demonstrieren. Zum einen fordert sie die Freilassung von Pastor Benham Irani, der eine fünfjährige Haftstrafe wegen angeblicher Gefährdung der nationalen Sicherheit verbüßt. Zum anderen protestiert sie gegen die Hinrichtung von über 4.000 Homosexuellen im Iran. Das Strafgesetzbuch sieht für Schwule die Todesstrafe und für Lesben Auspeitschen vor. Am 3. August findet in Hamburg die Homosexuellenparade „Christopher Street Day“ statt. Dem im Iran geltenden islamischen Religionsgesetz Scharia zufolge ist auch der „Abfall vom Islam“ ein todeswürdiges Verbrechen. Deshalb werden Muslime, die sich dem Christentum zuwenden, besonders stark verfolgt. Von den 78 Millionen Einwohnern Irans sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.