05.06.2013
Ägypten: Blasphemie-Prozesse gegen Christen häufen sich
Menschenrechtler: Sprunghafter Anstieg unter der Herrschaft der Muslimbrüder
Ägypten: Blasphemie-Prozesse gegen Christen häufen sich
Menschenrechtler: Sprunghafter Anstieg unter der Herrschaft der Muslimbrüder
Luxor (idea) – Im überwiegend muslimischen Ägypten ist die Zahl der Anklagen und Prozesse wegen angeblicher Gotteslästerung sprunghaft gestiegen. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, gab es unter dem von 1981 bis 2011 regierenden Diktator Hosni Mubarak pro Jahr im Schnitt ein bis zwei Blasphemie-Prozesse. Seit die Muslimbrüder herrschen, sei dies zu einem Machtmittel geworden, so die IGFM. Inzwischen seien mindestens sieben Todesurteile wegen Beleidigung des Islam bekannt geworden. Der Weg von Staatspräsident Mohammed Mursi in einen islamischen Gottesstaat und die Gefährlichkeit der Muslimbrüder seien unübersehbar, erklärte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin (Frankfurt am Main). Anlass für seine Kritik ist ein Blasphemie-Prozess gegen die christliche Grundschullehrerin Demiana Ebeid Abdelnour am 4. Juni. Die 24-jährige Koptin wurde von drei Grundschülern in Luxor beschuldigt, im Unterricht über die Geschichte der Weltreligionen den Islam und den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Die Pädagogin wurde laut IGFM suspendiert und musste sich zunächst vor drei Untersuchungsausschüssen verantworten. Die Eltern der Schüler warfen ihr unter anderem vor, den ehemaligen koptisch-orthodoxen Papst Schenuda III. (1923-2012) mit dem Propheten Mohammed verglichen zu haben. Obwohl die Ausschüsse sie freisprachen, läuft das Verfahren weiter. Die IGFM plädiert für Abschaffung von Blasphemiegesetzen. Opfer seien vor allem religiöse Minderheiten, besonders Christen, so Lessenthin. Im Land am Nil bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Hinzu kommen etwa 200.000 Katholiken, 40.000 Griechisch-Orthodoxe und 30.000 Protestanten. Die übrigen der rund 83 Millionen Einwohner sind Muslime.