05.06.2013

Weltkirchenrat: Vorwurf der antijüdischen Propaganda

Kritik an ökumenischer Erklärung zur Situation von Christen im Nahen Osten

Weltkirchenrat: Vorwurf der antijüdischen Propaganda

Kritik an ökumenischer Erklärung zur Situation von Christen im Nahen Osten

Neuendettelsau/Basel (idea) – Eine noch nie dagewesene „antiisraelische und antisemitische Propaganda“ werfen zwei evangelische Theologieprofessoren dem Weltkirchenrat vor. In einem Offenen Brief an die evangelischen Kirchenleitungen in Deutschland und der Schweiz beziehen sich die Brüder Wolfgang Stegemann (Neuendettelsau/Mittelfranken) und Ekkehard Stegemann (Basel) auf eine ökumenische Erklärung zur Situation von Christen im Nahen Osten. Sie wurde Ende Mai in der libanesischen Hauptstadt Beirut von mehr als 100 hochrangigen Vertretern fast aller Kirchen in Syrien, Libanon, Irak, Jordanien, Ägypten und in den palästinensischen Autonomiegebieten sowie von Mitarbeitern des Weltkirchenrates erstellt. Darin wird die Bedeutung der Kirchen für die Region betont. Die muslimischen Mehrheiten sollten allen Bürgern gleiche Rechte gewähren. Zugleich wird massive Kritik an Israel geübt. Das palästinensische Volk werde seit der Gründung des Staates Israel 1948 kontinuierlich enteignet, Jerusalem sei eine besetzte Stadt, und Christen und Muslime würden diskriminiert. Christlichen Zionisten wird vorgeworfen, das Wort Gottes zu verzerren und die historischen Verbindungen von palästinensischen Muslimen und Christen zum Heiligen Land zu entstellen.

Vorwurf: Staat Israel dämonisiert

Die Brüder Stegemann äußern sich „bestürzt über diese jegliches Augenmaß vermissen lassende antiisraelische Stellungnahme“. Bereits in der Vergangenheit habe der Weltkirchenrat derartige Voten abgegeben und Institutionen gefördert. Die jetzige Erklärung dämonisiere den Staat Israel und stelle einen „dramatischen Tiefpunkt und eine Erneuerung der alten, jetzt auf Israel projizierten christlichen Judenfeindschaft“ dar. Nicht zuletzt greife sie Christen an, „die sich bewusst der Schuld der Verachtung der Juden und der christlichen Mitschuld an mörderischer Gewalt am jüdischen Volk stellen“. Dass Israel der Diskriminierung von Muslimen und Christen beschuldigt werde, sei eine „grobe Verletzung des göttlichen Gebotes, kein falsches Zeugnis abzulegen“. Nach Ansicht der Brüder Stegemann lenkt die Erklärung von den innermuslimischen Massakern und der Christenverfolgung in muslimischen Ländern ab. Die Theologieprofessoren appellieren an den EKD-Ratsvorsitzenden, Nikolaus Schneider (Berlin), und den Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Gottfried Locher (Bern), ihre Stimme gegen die neu-alte Judenfeindschaft des Weltkirchenrats öffentlich zu erheben.